Lexikon der Filmbegriffe

analytisches Drama

gelegentlich: Enthüllungsdrama; im Gegensatz zum synthetischen Drama, auch: Zieldrama

Nicht die ganze Reihe der Ereignisse, die zum tragischen Konflikt oder zur Katastrophe führen, werden im analytischen Drama dargestellt, sondern nur ihre letzten Auswirkungen, die Zuspitzung zur Katastrophe, die Katastrophe vielleicht nur selbst. Vorgeschichte und Prämissen des Geschehens sind zu Beginn des Spiels im Dunklen, liegen als eigentliche Handlung vor dem, was geschieht. Im Lauf des Spiels werden sie sich den Handelnden und dem Zuschauer enthüllen, sie erklären und begründen die fatale Zuspitzung am Ende (der Entwicklung und zu Beginn des Spiels). Das analytische Drama gibt es seit der Antike (Sophokles: König Ödipus), war als romantisches Schicksalsdrama ausgeprägt (Kleist: Der zerbrochene Krug) und im Naturalismus geschätzt, weil Milieuschilderungen zur Umschreibung und Aufklärung der Vorgeschichte sowie zur Charakterisierung der Figuren eingesetzt werden konnten. Im Film finden sich alle Spielarten des analytischen Dramas. Vor allem in den Kriminalgenres (z.B. als Kommissars- oder Detektivgeschichte) ist der Handlungsaufbau oft analytisch: Am Beginn steht die Tat, um die Aufklärung ihres Verlaufs und ihrer Vorgeschichte geht es. 


Artikel zuletzt geändert am 15.07.2011


Verfasser: HJW


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