Lexikon der Filmbegriffe

Phone-in-Sendungen

Terminologisch hat sich das englische phone-in auch in deutschsprachigen Untersuchungen zum Thema eingebürgert. Da die Sendeform sich im Radio entwickelt hat, spricht man im Deutschen manchmal vom Hörertelefon als Oberbegriff für alle Formen des telefonischen Kontaktes mit Hörern; entsprechend könnte man beim Fernsehen vom Zuschauertelefon sprechen. Es lassen sich drei Typen von medial übertragenen Telefonaten unterscheiden: (1) funktionale Hörertelefonate umfassen Verkaufsgespräche und Glückwünsche; (2) Hörertelefonate mit eingebettetem Talk sind im größeren Teil funktional an Spiele, Quizsendungen, Wunschkonzerte und dergleichen mehr gebunden; sie enthalten aber unabhängige Talkphasen; (3) Hörertelefonate als Talk sind um offene Gespräche zwischen Hörern und Moderatoren.
Phone-in-Sendungen basieren auf Gesprächstypen des Alltags, etablieren das Medium oder den Berater als simplen Gesprächspartner, als Fachmann oder als Ratgeber. Die Radio- und Fernsehformen adaptieren und kopieren so situative Formate der unmittelbaren Interaktion. Sie sind aber nicht identisch mit den Formen der unvermittelten Interaktion – das Geschehen findet auf einer imaginären Bühne statt, es sind Zuschauer anwesend. Und alle Beteiligten wissen, dass sie sich in einem öffentlichen Raum bewegen.

Literatur: Wulff, Hans J.: Phone-In-Shows und Therapie-Talks. Kommunikationstheoretische Überlegungen. In: Talk auf allen Kanälen. Angebote, Akteure und Nutzer von Fernsehgesprächssendungen. Hrsg. v. Jens Tenscher u. Christian Schi­cha. Wiesbaden: West­deutscher Ver­lag 2002, S. 181-197.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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