Lexikon der Filmbegriffe

Rückenfiguren

Personen, die auf Bildern dem Betrachter den Rücken zukehren, also mit ihm zusammen in die Tiefe des Bildes zu blicken scheinen, nennt man Rückenfiguren. Sie finden sich schon in der Antike, in der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, gelangten aber erst mit den Bildern Caspar David Friedrichs zu der Bedeutung, die sie bis heute haben: Sie sind hier fast immer solipsistische und isolierte Gestalten, die die Position des Betrachters teilen und wohl zur Unterstreichung der Erhabenheit, der Monumentalität und der Schönheit des Szenarios dienen. Sie sind nicht Teil der Natur-Szene, sondern ihr gegenübergestellt, vertiefen die Distanz zwischen Betrachter und Motiv. Bei Friedrich sind die Rückenfiguren fast immer mittig im Bild platziert, schieben sich so tatsächlich „zwischen“ Bild und Betrachter. Im Film finden sich Rückenfiguren vor allem am Beginn und am Ende von Geschichten, die die Reise eines Protagonisten an einen naturschönen oder kultursignifikanten Ort behandeln. Vor allem am Ende, wenn der Protagonist als Rückenfigur noch einmal ins Bild gesetzt ist, ermöglicht der „Blick zurück“ ein intensives empathisches Hineingleiten des Zuschauers in die Perspektive des Helden, der melancholische Blick gilt Landschaft und Geschichte gleichermaßen.

Literatur: Koch, Margarete: Die Rückenfigur im Bild. Von der Antike bis zu Giotto. Recklinghausen: Bongers 1965. – Rzucidlo, Ewelina: Caspar David Friedrich und Wahrnehmung. Von der Rückenfigur zum Landschaftsbild. Münster: Lit 1998. Zugl. Diss. FU Berlin 1997. – Wilks, Guntram: Das Motiv der Rückenfigur und dessen Bedeutungswandlungen in der deutschen und skandinavischen Malerei zwischen 1800 und der Mitte der 1940er Jahre. Marburg: Tectum 2005. Zugl. Diss. Greifswald 2004. – Yalcin, Fatma: Anwesende Abwesenheit. Zur Entwicklungsgeschichte von Bildern mit menschenleeren Räumen, Rückenfiguren und Lauschern im holländischen 17. Jahrhundert. München 2004.

Referenzen:

repoussoir


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: AS


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