Lexikon der Filmbegriffe

Punktuierung

frz.: ponctuation filmique

Christian Metz schlug in den 1960er Jahren vor, die funktionellen Aspekte der sprachlichen Interpunktion auch in der Untersuchung filmischer Strukturen aufzusuchen (darin ganz der Vorstellung verhaftet, dass sprachliche und filmische Strukturen gemeinsame semiotische Grundlagen hätten). Alle Mittel, die derartige Gliederungen signalisierten, nannte er ponctuation filmique. Punktuierungen trennen zwei nebeneinanderstehende Stücke ebenso, wie sie sie verbinden. So umfassende syntaktische Leistungen der Punktuierung in der optischen Aufbereitung von filmischen Texten das Konzept auch zu erfassen schien, gab Metz von vornherein ein Bedenken kund: Optische Punktuierungen (wie Blenden, Überblendungen, Farbwechsel etc., bis hin zu Trailern, Ansagen, Werbeblöcken im Fernsehen) trennen große Segmente der Äußerung und korrespondieren daher eher den „Textgliederungssignalen“ – wie z.B. Zeilenanfänge in der Lyrik, Kapitelgliederungen in der Epik, Szenen in der Dramatik – als den Interpunktionszeichen, die meist auf der Ebene der inneren Gliederung von Sätzen fungieren; es handelt sich um eine Makro-Punktuierung, die auf der Ebene der makrotextuellen Gliederungen (vom Typ „Sequenz“ oder „Syntagma“) operiere und nicht im mikrotextuellen Feld zwischen Einstellungen. In der späteren Metzschen Theorie wurde die Vorstellung der „Punktuierung“ durch eine Markierungstheorie abgelöst, die Markierungen als Hinweise auf die kommunikative Instanz des „Sprechenden“ versteht.

Referenzen:

act curtain

Markiertheit

Segmentierung


Artikel zuletzt geändert am 25.06.2012


Verfasser: HJW


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