Lexikon der Filmbegriffe

Spiegel-Einstellung

dt. auch: Spiegeltrick; engl.: mirror shot, glass shot

Spiegel spielen in der Produktion von Special Effects eine große Rolle. Dabei wird – wie im Schüfftan-Verfahren –ein Spiegel im 45-Grad-Winkel vor der Kamera aufgebaut; ein Teil des Spiegels ist frei, man kann durch ihn hindurch eine Realszene sehen; im Spiegel selbst sieht man ein Modell – und die Kamera synthetisiert Real- und Modellszene (der berühmteste Fall ist Langs Metropolis, 1927). In einem anderen Szenario wird ein halbdurchsichtiger Spiegel im 45-Grad-Winkel vor der Kamera positioniert, so dass zwei Bilder synthetisiert werden (wie in einer Doppelbelichtung): Es erscheinen dann auf dem Filmbild transparente Objekte (die wie Geister wirken). Auch manche Wahrnehmungseffekte werden mit Spiegeln erzeugt – soll etwa ein Zug unmittelbar auf die Kamera zurasen, wird ein Spiegel im 45-Grad-Winkel auf den Gleisen postiert, der seinerseits aufgenommen wird.
Gelegentlich werden Aufnahmen im Spiegel als Darstellung geistiger Verwirrung (man denke an die Zerrspiegel in Gances La Folie du Docteur Tube, 1915) verwendet. Manchmal dienen Spiegelkabinette dazu, die Unorientierbarkeit des Raums oder den Verlust der Orientierungsfähigkeit der Akteure zu repräsentieren (wie in Welles‘ The Lady from Shanghai, 1946). Andere Spiegelbilder im natürlichen Environment – im Wasser, auf Fensterscheiben, auf dem Lack von Autos usw. – dienen dazu, die Melancholie des Augenblicks einzufangen, die Heimlichkeit der Beobachtung und ähnliches darzustellen.

Referenzen:

Aufprojektion

Cinemiracle

Schüfftan-Verfahren


Artikel zuletzt geändert am 13.08.2012


Verfasser: AS


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