Lexikon der Filmbegriffe

Stanislawski-System

auch: Stanislawski-Methode

Der russische Regisseur und Theatertheoretiker Konstantin S. Stanislawski erstrebte ein Theater, das so realistisch wie möglich sein sollte. Das Schlüsselelement des Eindrucks einer unvermittelten Realität des Bühnengeschehens war der Schauspieler – er vor allem anderen konnte das Spiel authentifizieren. Zu diesem Zweck vertrat er die Ansicht, dass ein Schauspieler eigene Erfahrungen und Gefühle – sein emotionales Gedächtnis –, die der Rolle nahekommen, in sein Verständnis der Rolle und in das Spiel einbringen müsse, um sich ganz mit der Rolle zu identifizieren und darin aufzugehen, als ob er selbst die Rollenfigur wäre. Diese Methode galt im sowjetischen Theater lange wie ein Katechismus, wanderte als „Method Acting“ auch in die amerikanische Schauspielerausbildung ein. Dagegen standen strikt anti-illusionistische Konzepte (etwa von Brecht und Meyerhold), vom Spiel verlangten, dass es immer wieder gebrochen und als Spiel sichtbar werden sollte. 

Literatur: Stanislavskij, Konstantin S.: Die Arbeit des Schauspielers an der Rolle. Materialien für ein Buch. 4. Aufl. Berlin : Henschel 2002. Zahlr. andere Ausg. – Jansen, Karin: Stanislawski – Theaterarbeit nach System. Kritische Studien zu einer Legende. Frankfurt [...]: Lang 1995. – Link Gaillard, Ottofritz: Das deutsche Stanislawski-Buch. Lehrbuch d. Schauspielkunst nach dem Stanislawskisystem. Berlin: Aufbau-Verlag 1946.
 

Referenzen:

emotional recall

Method Acting

Rollenarbeit


Artikel zuletzt geändert am 21.01.2012


Verfasser: JH


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