Lexikon der Filmbegriffe

Third Person Effect

selten auch dt.: Dritte-Person-Effekt; oder Third-Person-Effekt

Neben den Effekten der sozialen Erwünschtheit ist der Third-Person-Effect eine gewichtige Stellgröße, die Aussagen zu Medien und Mediengebrauch verzerrt: Gemeint sind damit Annahmen, die ein Befragter über andere Personen hat, denen er in der Regel unterstellt, dass sie von Medien viel stärker beeinflusst würden als er selbst. Der Effekt verstärkt sich, wenn es um unerwünschte Inhalte und Dramaturgien geht (Gewaltdarstellungen, Pornografie, Produktwerbung, gewisse politische Mitteilungen). Die Bereitschaft, die Zensurierung derartiger Inhalte einzuführen oder zu verschärfen, steigt, wobei sich sowohl der Effekt wie auch die Interventionsbereitschaft beim Themenkomplex „Gewalt“ am deutlichsten zeigen.
Offenbar versucht der Befragte, ein positives Selbstbild zu demonstrieren (auch sich selbst gegenüber), sogar anhand von Gegenständen, über deren Kontrolle er sich keinesfalls sicher sein kann. Der Third-Person-Effect dokumentiert außerdem eine scharfe Gegenüberstellung von Ich und den Anderen: Während der Befragte sich selbst Reflektiertheit, Widerstandsfähigkeit und die Fähigkeit, sich mit Medieninhalten auseinanderzusetzen, zubilligt, wird dem „Anderen“ – meist dem „verallgemeinerten Anderen“ oder dem Kollektivum „die Anderen“ – genau diese Fähigkeit abgesprochen. Große Teile der Meinungen über die Macht der Medien, über ihre Fähigkeit, Weltbilder zu kontrollieren und Meinungen und Meinungsflüsse zu organisieren, basieren auf dem Third-Person-Effect. Gerade im Umgang mit Kindern hat das Urteil über die Bildsamkeit der anderen durch die Medien manchmal erhebliche alltagspraktische Implikationen.

Literatur: Davidson, W. Phillips: The Third-Person-Effect in Communication. In: Public Opinion Quarterly 47, 1983, S. 1-15. – Hoffner, C. [...]: The Third-Person Effect in Perceptions of the Influence of Television Violence. In: Journal of Communication 51, 2001, S. 283-299. – Salwen, M.B. / Dupagne, M.: The Third Person Effect. In: Communication Research 26,5, 1999, S. 523-549.


Artikel zuletzt geändert am 23.07.2011


Verfasser: HJW


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