Lexikon der Filmbegriffe

Wandeldekoration

engl., frz.: Wandeldekoration

Der italienische Architekt und Maler Giorgio Vasari erfand im 16. Jahrhundert die sogenannte Wandeldekoration. Dabei wird die Dekoration selbst bewegt, als würde sich die Bühne vor einem Hintergrund verschieben. Technisch wurde dazu im Hintergrund die Landschaft, die auf ein langes Textillaken aufgemalt war, auf zwei Walzen aufgewickelt, so dass sie langsam hinter dem Bühnenraum vorübergezogen werden konnte. Außerdem konnten einzelne Elemente der Bühne – wie Büsche oder Bäume – auf Walzenzügen im Bühnenraum selbst verschoben werden. Auf diese Art konnte das Bühnenbild selbst dynamisiert werden. Die vielleicht bekannteste Wandeldekoration wurde in einer Inszenierung der Wagner-Oper Parsifal (Bayreuth 1882) eingesetzt; sie zeigte die Verwandlung des Waldes in den Gralspalast.
Wandeldekorationen wurden noch im das 20. Jahrhundert verwendet. Vor allem Féerien und Tanzstücke nutzten die Möglichkeit der räumlichen Entgrenzung des Bühnenraums. Auf der Weltausstellung in Paris 1900 war ein Eisenbahnpanorama ausgestellt, das hinter einem stehenden Zug auf mehreren Ebenen die Fahrt durch die sibirische Landschaft illuminierte; gleichzeitig hatten die Lumière-Brüder in ähnlicher Art die Illusion einer Schiffsreise realisiert (das sie Mareorama nannten). Wandeldekorationen kamen auch im frühen Film zum Einsatz.

Literatur: Lecocq, Pascal: Autonomie ou correspondance du décor d‘opéra. La wandeldekoration, 1882‑1982. Thèse de doctorat, Université de Paris VIII 1985.


Artikel zuletzt geändert am 09.03.2014


Verfasser: HHM


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