Lexikon der Filmbegriffe

Sujet

(1) von russ. syuzhet

Narratologischer Komplementärbegriff zu dem der Fabel. Das Sujet bezeichnet nach Tomaševskij die Gesamtheit der Motive in der Ordnung, wie sie im Werk gegeben ist. Über das Sujet erst kann die Fabel ‚erraten‘ werden, die selbst nur ein logisches Schema des Geschehens darstellt. Anders als Fabel ist Sujet ein Stil- und Systembegriff, über den sich das künstlerische Potential eines Werks erschließt. Mit dem Sujet erfolgt eine Konkretisierung der werkinternen Dominantenbildung, wobei das Sujet in einen konstruktiven Konflikt zur Fabel eintritt. Konstruktion ebenso wie Erschwerung, Verfremdung und Verschiebung der Fabel sind Verfahren des Sujets. Entscheidend sind neben der Beziehung zur Fabel die Korrelationen des Sujets zu Material und Stil. Die Sujetkonstruktion ist damit zugleich abhängig vom künstlerischen Medium: Der Film besitzt andere Mittel der Sujetfügung als der Roman.

(2) von frz.: sujet = Thema, Motiv, Gegenstand, Bildinhalt; auch: matière; engl.: matter, subject

In der Archivlehre bezeichnet „Sujet“ eine einzelne Angelegenheit oder Materie, einen Gegenstand von Verwaltungshandeln und damit von Akten. Mit „Sujet“ bezeichnet man in Wochenschauen (und den zugehörigen Findbüchern der Archive) die einzelnen Themenblöcke. In der Regel sind sie in abstrakte Gruppen aufgeteilt. Derartige Sujets konnten sein: Reichsparteitage, Aufmärsche, Fastnacht, Reitsport. Sujets dienen heute vor allem der Archivierung und Erschließung nichtaktuellen Materials. Viele Archive stellen die Kosten von Abklammerungen sujetweise in Rechnung. Im erweiterten Sinne wird „Sujet“ synonym mit „Thema“ verwendet. 
 

Referenzen:

Fabel (1)

Fabel (2)

Fabel und Sujet


Artikel zuletzt geändert am 21.01.2012


Verfasser: WB


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