Lexikon der Filmbegriffe

Filmanalyse

engl.: analysis of film, film criticism

Kaum ein anderes Medium integriert so viele Zeichensysteme wie der Film – sei es, dass sie als Modi der Abbildung, sei es, dass sie als Strukturen der abgebildeten Realität eine Rolle spielen. „Filmanalyse“ als die methodisch kontrollierte Beschäftigung mit dem einzelnen Film oder mit einem spezifischen Phänomen der filmischen Struktur oder der Filmgeschichte spiegelt die Vielfalt dessen, was ein Film zur Konstitution seines Sinnpotenzials nutzt. Der gleiche Film kann so zum Anlass ganz unterschiedlicher Analysen werden, die auf Hypothesen und Modellen ganz unterschiedlicher Bezugswissenschaften aufbauen.
Als „Filmanalyse“ bezeichnet man die methodisch kontrollierte Auseinandersetzung mit dem Film. Filmanalyse ist zwischen vier verschiedenen Grobausrichtungen des Interesses zu lokalisieren: (1) der Orientierung auf die Inhaltsstruktur (in einem substanziellen Sinne), (2) auf die Textstruktur (in einem formalen Sinne) und (3) auf die Rezeption (in einem weiten Sinne, der das Leben der Filme im Gesamt der sozialen Prozesse begreift, von individueller Rezeption bis zur Funktionalisierung in den Lern- und Vergewisserungsprozessen der Propaganda). Ihnen gehört außerdem (4) die Produktionsanalyse zu, weil die Produktionsprozesse selbst analytisch sind und einem Produktionsmodus (mode of production) unterliegen.
Die Auseinandersetzung mit der lebendigen Fülle des Beispiels und der Konstruktion eines perspektivischen Punktes, der es gestattet, die besonderen oder die besonders auffallenden Eigenheiten des Beispiels darzustellen oder gar zu erklären, führen zu einer ungeheuren Produktivität im Feld filmanalytischen Arbeitens. Darum auch ist die Vorstellung einer „Totalanalyse“ irreführend: Denn es hängt an der Offenheit der Fragestellungen, dass immer wieder neue Strukturen und Eigenschaften am Werk aufgesucht werden können.
Es lassen sich drei wichtige Prinzipien benennen, die Filmanalyse zugrunde liegen sollten und der Möglichkeit einer „analyse totale“ entgegenstehen: (1) Relativität: Es existiert keine universelle Methode, um Filme zu analysieren; (2) Begrenztheit: die Analysetätigkeit ist endlos, weil immer noch weiterführbar; (3) Prozessbezogenheit und Historizität: Analyse setzt Kenntnisse der Geschichte voraus, sowohl der des Films wie der bisherigen Diskurse zu den gewählten Beispielen. 

Literatur: Wulff, Hans J.: Filmanalyse. Eine Arbeitsbibliographie. In: Medienwissenschaft / Hamburg 21, 2004 [online]. – Hickethier, Knut: Film- und Fernsehanalyse. Stuttgart: Metzler 1993; mehrere Neuaufl. – Hill, John / Gibson, Pamela Church (eds.): The Oxford guide to film studies. Oxford [...]: Oxford University Press 1998. – Wulff, Hans J.: Semiotik der Filmanalyse: Ein Beitrag zur Methodologie und Kritik filmischer Werkanalyse. In: Kodi­kas/­Code 21, 1998, S. 19-36.


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: HJW


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