Lexikon der Filmbegriffe

Tortenschlacht

engl.: custard pie

Die Tortenschlacht ist eine der auffälligsten Besonderheiten der Stummfilmkomik. Auf der Bühne oder im Film galt das „face-full of gunge“ als optimaler Abschlussgag. Eine der Erfindungsgeschichten der Film-Tortenschlacht besagt, dass Mabel Normand Fatty Arbuckle bewerfen durfte, der später aber eine Revanche erhielt (Mabel and Fatty‘s Married Life, 1916). Mack Sennett organisierte im gleichen Jahr eine Tortenschlacht für Keystone Hotel. Sie muss aber älteren Datums sein, weil Chaplin sie bereits 1916 in Behind the Century parodierte.


Eine der größten Tortenschlachten der Filmgeschichte findet sich in Laurels und Hardys The Battle of the Century (Alles in Schlagsahne, 1927): Mehr als 20 Personen und über 4.000 Sahnetorten sollen daran mitgewirkt haben; 50 Liter Creme und fast eine Tonne Gebäck wurden verbraucht. Leider ist von der zweiten Hälfte des Filmes, in der die Schlacht geschlagen wird, nur ein dreiminütiges Fragment erhalten geblieben, dessen Schnitt zudem verändert wurde. Neuere Beispiele sind The Great Race (1965) und die Schlusssequenz von Blazing Saddles (1973).
Die Tortenschlacht dient dazu, den Inhaber gesellschaftlicher Macht und Würde zu verhöhnen, ihn lächerlich zu machen. Beschädigungen gehen auf die symbolische Seite der Figur, nicht auf die körperliche. Der Körper des anderen (oder aller) wird grotesk gemacht. Die Sahnetorten in den Film-Tortenschlachten bestehen in Wirklichkeit aus Rasierschaum. Das ist kostengünstig und steigert den Effekt: Originale Sahnetorten deformieren während des Fluges, manche zerbrechen gar; die Schaummasse ist dagegen konsistenter, sie zerläuft nicht so schnell auf der Haut, deformiert also den Körper des Getroffenen länger und stabiler als tatsächliche Sahne.


Artikel zuletzt geändert am 22.07.2011


Verfasser: HJW


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