Lexikon der Filmbegriffe

Phonofilm

manchmal auch: DeForest Phonofilm

Der Ingenieur Lee De Forest begann 1919, Möglichkeiten des Lichttons als Voraussetzung der Beschallung von Kinosälen auszuloten. Er war zwar nicht der Erfinder des Lichttons, bei dem Geräusche in einen pulsierenden Lichtstrahl umgeformt wurden, der auf Film konserviert und bei der Projektion in einen via Verstärker und Lautsprecher hörbar gemachten Ton rückverwandelt werden konnte. Aber er war der erste, der ein arbeitsfähiges Tonfilmsystem vorstellte: Zwischen 1923 und 1925 stattete seine Firma (die im November 1922 gegründete DeForest Phonofilm) mehr als 30 Kinos in den USA, Europa, Südafrika, Australien und Japan mit den entsprechenden technischen Gerätschaften aus. De Forest ließ eine ganze Reihe von Demonstrationsfilmen mit seinerzeit bekannten Künstlern aus dem Vaudeville- und Music-Hall-Bereich drehen, konnte aber auch Regisseure der Zeit gewinnen, kleine Tonfilmstücke zu drehen. David W. Griffith drehte sogar eine Ton-Einleitung zu seinem stummen, im Dance-Hall-Milieu spielenden Film Dream Street (1921). Das größte Problem bei den Aufführungen waren die damals noch unzureichend entwickelten Lautsprecher, die bei der Wiedergabe in großen Räumen den Ton erheblich verzerrten; außerdem jaulte der Ton wegen der Gleichlaufschwankungen der Projektoren, so dass es de Forest nicht gelang, eine potente Filmproduktionsfirma für sein Tonsystem zu gewinnen.
Das System arbeitete zwar einwandfrei, doch konnte De Forest nie ausreichendes Kapital einwerben; auch blieben ihm die großen Kinoketten verschlossen. Es gilt als sicher, dass de Forest das Verfahren nicht nur auf deutsche Vorarbeiten stützte, sondern die Ausgangsidee seinem Studienkollegen Theodore Willard Case gestohlen hat, so dass die Geschichte des Lichttons im Kino fast kriminalistische Züge enthält. Ein Rechtsstreit mit Case führte schon 1926 zum Zerfall der Firma, die Case gehörigen Patente gingen an die Fox Film Corporation (23.7.1926). 1927 gab De Forest auf und verkaufte die Firma an den Produzenten Pat Powers. Ungefähr zur gleichen Zeit hatten Fox Movietone und Western Electric (in den USA), Tonfilm und Tri-Ergon (in Deutschland) unter Rückgriff auf die Case-Patente ähnliche Lichtton-Verfahren entwickelt, die bis in die späten 1940er die Standards des Filmtons werden sollten.

Referenzen:

Powers Cinephone


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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