Lexikon der Filmbegriffe

Tücke des Objekts

Eine elementare Spannung zwischen Akteuren und Dingwelt ist die ökologische Ausgangssituation des Slapstick-Dramas. Es beruht auf einer radikalen Desintegration von Mensch und Umwelt, in deren Verlauf gerade die dingliche Umwelt ein erstaunliches Eigenleben bekommt. Das macht sich bemerkbar als Ringkampf zwischen Karl Valentin und den Stühlen, in den zahllosen Ding-Gags bei Tati und noch in den akrobatischen Aktionen gegen widerständige Dinge in den Kungfu-Komödien Jackie Chans. In dieser Auseinandersetzung von Akteur und Umwelt scheint das Objekt intentionale Selbständigkeit zu gewinnen.
Wer auf die Tücke des Objekts trifft, gerät in eine oft fatale Kette von Geschehnissen hinein, in denen sich das Objekt als problematisch entpuppt und sich jedenfalls gegen den Helden wendet. Das Objekt ist zunächst noch nicht der Antagonist. Doch ist die Grenze fließend. Wenn man von der Tücke des Objekts spricht, spricht man ja auch davon, dass es sich verhält wie ein eigener Akteur, der es auf den Protagonisten abgesehen hat. Tatsächlich scheinen manche Objekte sich geradezu boshaft gegen den Akteur zu verhalten, also tatsächlich aktiv in die Handlung einzugreifen. Diese Möglichkeit ist im animierten Slapstick-Cartoon noch ausgeprägter, agieren hier die Objekte ja manchmal tatsächlich: sie mutieren von Objekten zu Akteuren.


Artikel zuletzt geändert am 22.07.2011


Verfasser: HJW


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