Lexikon der Filmbegriffe

Kontrastmontage

auch: Kollisionsmontage

(1) Wird zwischen zwei alternierenden Erzählverläufen hin- und hergeschnitten (cross cutting), die einem grundlegenden Widerspruch zugehören und die den Kontrast der beiden Handlungswelten szenisch darstellen, spricht man von der „Montage des Kontrastes“ oder der „Kollision zweier Handlungsstränge“. Wenn also z.B. in D.W. Griffiths A Corner in Wheat (USA 1909) spekulierende Weizenkönige beim Speisen an einer festlichen Tafel mit Hungernden in einer Bäckerei kontrastiert werden, oder wenn in Martin Enlens Film Aus gutem Grund (BRD 1991) ein Liebesakt mit einer Abtreibung kontrastiert wird, kollidieren die beiden Szenen thematisch und moralisch. S.M. Eisenstein sprach in so einem Fall von „intellektueller Montage“, die zum Nachdenken anrege, weil aus dem Aufeinanderprall des einen Einstellungskomplexes mit dem anderen eine neue, qualitativ neue Erkenntnis im Kopf des Zuschauers erzeugt würde. Die Kollisionsmontage ist in dieser Auffassung ein Mittel, Denkfortschritte durch die bloße Juxtaposition von Bildfolgen anzuregen. Für Eisenstein war die intellektuelle Montage ein allgemeines semiotisches Prinzip. In der japanischen Schrift z.B. entstehe ähnlich durch die Kombination eines Piktogramms mit der Bedeutung „Tür“ mit einem zweiten in der Bedeutung „Ohr“ eine dritte Bedeutung „Lauschen“, die selbst gar nicht abgebildet wurde.
(2) Kontrast- oder Kollisionsmontage tritt aber auch als Strategie des transsequenziellen Übergangs (Transition) zwischen zwei Szenen oder Sequenzen auf. Wenn also z.B. einer szenenbeendigenden Einstellung mit Feuer eine mit Eis folgt (oder entsprechend auf finstere Nacht grelle Sonne scheint), wird der scharfe Kontrast des Dargestellten als scharfe Markierung der Sequenzgrenze eingesetzt. Derartige Montagen werden oft als „hart“ bezeichnet, weil sie den Erzählfluss abrupt unterbrechen und gezielt Zäsur setzen. 

Referenzen:

Assoziationsmontage


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HB


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