Lexikon der Filmbegriffe

Überraschung

Überraschungen in einem scharfen und harten Sinne sind nicht vorhersagbar, sie sind nicht strukturell ableitbar, sie stehen unter keiner Strukturforderung der vorigen Geschichte. Es scheint nötig zu sein, vier verschiedene Typen von Überraschungen zu unterscheiden. (1) Unter einer Entdeckung (discovery) versteht man eine Entdeckung, die die Ordnung der Figuren neu ordnet oder die Geschichte neu in die möglichen Verläufe hinein perspektiviert. Eine Figur stolpert über eine Waffe – und wird sich von nun an anders verhalten können; sie findet ein Tagebuch - und ist über die geheimen Pläne einer anderen Figur orientiert; sie findet ein Beweisstück – und wird eine Tat beweisen können, ist aber als Zeuge wiederum sehr gefährdet. (2) Ein Schock (shock) ist ein Ereignis, das ohne jede Ankündigung in der erzählten Welt eintritt. Eine Leiche fällt aus einem Schrank; die Hauptfigur wird ohne jeden Kontext plötzlich überfallen; in Psycho erweist sich die Mutter als Mumie. „Schock“ in diesem Sinne wird oft im Spannungsfilm angewendet. (3) Eine Überraschung (surprise) im engeren Sinne ist eine unerwartete und unerwartbare Entdeckung, Enthüllung oder Verdrehung der Geschichte. In den wichtigsten Beispielen stellt sich die Identität einer Figur als anders heraus als angenommen. In The Terminator spricht z.B. die Heldin nicht zu ihrer Mutter, sondern zu einem Cyborg, der ihre Mutter darstellt. (4) Ein Moduswechsel ist ein Ereignis, das den modalen Status der Erzählung wesentlich verändert. Wenn in Children of Nature das fliehende Paar nur mittels eines Stop-Tricks der Polizei entkommen kann, wechselt der gesamte Film seinen Modus, aus Realismus wird Phantastik. Derartige Umbrüche könnte man als strukturelle Überraschungen bezeichnen. 
 

Referenzen:

shock cut


Artikel zuletzt geändert am 15.05.2012


Verfasser: HJW


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