Lexikon der Filmbegriffe

semantischer Raum

Ein „semantischer Raum“ ist in Anlehnung an Lotman ein semantisch-ideologisches Teilsystem der dargestellten Welt, charakterisiert durch eine Menge von Merkmalen, Werten, Normen, Regularitäten, die bezüglich mindestens eines seiner Charakteristika zu einem anderen semantischen Raum dieser Realität in Opposition steht, so dass die Grenze zwischen beiden als unüberschreitbar gilt und dass somit die Überschreitung, sofern sie doch stattfindet, als ein „Ereignis“ angesehen werden kann. Wenn also eine Textentität (in der Regel ein menschlicher Handlungsträger) über die Grenzen zwischen zwei semantischen Räumen versetzt wird, sei, es, dass er aktiv als Subjekt einer Handlung, sei es, dass er passiv als Objekt einer Handlung eine derartige Grenze überschreitet, entsteht ein Konflikt. Manche Ereignisse beschädigen die Ordnung der semantischen Räume nicht, andere (manchmal sogenannte „Meta-Ereignisse“) führen aber dazu, dass Weltordnungen selbst wesenhaft verändert werden und dass semantische Räume außer Geltung geraten. Semantische Räume sind oft topographisch realisiert, also als wirkliche Räume dargestellt. Manchmal sind sie durch einen „Extremraum“ komplementiert, in dem z.B. – wie in den James-Bond-Filmen – das Böse zentriert ist und das Zentrum seiner Macht hat.

Literatur: Titzmann, Michael: ‚Zeit‘ als strukturierende und strukturierte Kategorie in sprachlichen Texten. In: Zeit, Raum, Kommunikation. Hrsg. v. Walter Hömberg u. Michael Schmolke. München: Ölschläger 1992, S. 234-256.

Referenzen:

Ereignis


Artikel zuletzt geändert am 21.07.2011


Verfasser: YN CA


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