Lexikon der Filmbegriffe

Superstar

In den 1960ern als medienkritischer Terminus aufgekommen, verstand man darunter Star-Figuren, die als symbolische Repräsentanten ökonomischer, politischer und symbolischer Macht dienten, die Lebensstile der Entfremdung und des Konsumismus exzessiv anzeigten und die die eine ebenso freiwillige wie lustvolle Unterwerfung unter das repressive System des Konsumismus propagierten. Einen Gipfel- und Endpunkt dieser kritischen, das personale Selbstdarstellungssystem von Politik und Unterhaltungsindustrie attackierenden und verunglimpfenden Auffassung von „Superstar“ bilden solche Projekte wie Jesus Christ Superstar (1973, Norman Jewison, nach einem Musical von Andrew Lloyd Webber; Remake 2000, Nick Morris) und die von Symbolen überbordenden musikkritischen Filme von Ken Russell (v.a. Lisztomania, 1975). In den 1980ern ist der Begriff weiter und weicher geworden, hat den kritischen Beigeschmack weitgehend eingebüßt: Berühmtheiten von globaler Bedeutung und universalem Appeal sind „Superstars“. Selbstinszenierung, eine gewisse Form des Exhibitionismus, Nutzung von PR-Strategien zeichnen sie ebenso aus wie größere Institutionen der Macht, die ihre Auftritte decken, ermöglichen und nutzen. Das Superstar-Wesen ist gebunden an weltweit ausstrahlende Mediensysteme und die auf diese einwirkenden Agenten. Inzwischen ist das Konzept in einer Mischung von Zynismus und Parodie gelegentlich Thema der Massenmedien selbst gewesen (z.B. in der RTL-Casting-Show Deuschland sucht den Superstar, 2004). 


Artikel zuletzt geändert am 22.07.2011


Verfasser: AS


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