Lexikon der Filmbegriffe

Kinder im Film

Im Hollywood-Kino werden Kinder oft in süßlichen, niedlichen, kitschigen Rollen gezeichnet. Der Stereotypie und Flachheit der Rollen entsprechend zeigen sie hier oft eine glatte Professionalität des Spiels. Im europäischen Kino dagegen stehen Kinder im sozialen Konflikt, reklamieren eigene Achtung und bilden aufgrund des Alters und der damit einhergehenden Verpflichtung der Älteren, für sie zu sorgen, ein Gegengewicht gegen die erdrückende Last der sozialen Verhältnisse – erinnert sei an den Jungen in de Sicas Ladri di Biciclette (1948), Truffauts Les quatre cent Coups (1959) oder Loachs Kes (1970). Eine Reihe von Filmen konfrontiert Kinder mit den Geschehnissen des Krieges (wie Clément in Jeux interdits, 1952, oder Boorman in Hope and Glory, 1987). Manchmal bilden sie den Pol der Handlung, der erwachsene Figuren unter oft schwierigen Umständen bindet und zum entschiedenen Handeln zwingt (wie die beiden Jungen in Cassavetes‘ Gloria, 1980, und Scorseses Alice Doesn't Live Here Anymore, 1974, oder die kleinen Mädchen in Wenders‘ Alice in den Städten, 1974, und Bogdanovichs Papermoon, 1973). Manchmal ziehen Kinder als „Wolfskinder“ allerhöchste pädagogische Reflexion auf sich (wie in Truffauts L‘Enfant Sauvage, 1970). Immer sind es Kinder, die die Erwachsenenwelt auf eine Probe stellen, indem sie ihr Recht auf Zuspruch und Fürsorge in die erzählte Welt hineintragen. Das ist auch ein oft unterschwelliges Thema des Kinderfilms, der eine ganz eigene Gattung ausmacht. Der vielleicht entschiedenste Film, der seine Episoden und Anekdoten wie eine Hommage an die Freuden, Sehnsüchte, Enttäuschungen und Wunder der Kindheit ausbreitet, ist Truffauts L‘Argent de Poche (1976).

Referenzen:

Kinderdarsteller

Kinderfilm

Kinderstars

kindliche Protagonisten


Artikel zuletzt geändert am 25.06.2012


Verfasser: HJW


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