Lexikon der Filmbegriffe

Kinderstars

engl.: child stars

Der erste ausgewiesene Kinderstar, der als Star-Figur in das Starsystem integriert wurde, war Jackie Coogan, der in Chaplins The Kid (1921) einen Welterfolg hatte und der von First National sofort unter Vertrag genommen wurde. Die große Zeit der Kinderstars brach aber erst in den 1930er Jahren an – Shirley Temple war von 1932-38 der größte Kassenmagnet (Heidi, 1937, The Little Princess, 1939, sowie 40 weitere Filme) und rangierte von 1936-38 sogar als beliebtester Star vor Clark Gable, Joan Crawford und Bing Crosby. Freddie Bartholomew trat ihr zur Seite (mit Filmen wie David Copperfield, 1934, und Little Lord Fauntleroy, 1937). Deanna Durbin (Three Smart Girls, 1936) bewahrte angeblich Universal vor dem Ruin. Edith Fellows (Little Miss Roughneck, 1938) war die Antwort Columbia auf die Kinderstars der anderen Studios. Mickey Rooney (in der Serie Hardy Family, 1934-47) und Judy Garland sangen und tanzten für die MGM-Studios. Jackie Cooper (Skippy, 1930; Treasure Island, 1935) war berühmt für seine Tränenausbrüche. Irene Dare glänzte in der Eisrevue Everything‘s on Ice (1939).
Mit dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg endet die Zeit der Kinderstars (oder, um es genauer zu sagen: des Kinderstar-Systems). Alle späteren Kinderstars waren Ausnahmefiguren – Margaret O‘Brien in den 1940er, Elizabeth Taylor oder Natalie Wood in den 1950er und Jodie Foster in den 1970er Jahren waren z.B. herausragende Kinder-Schauspieler, die Star-Status hatten, ohne dass es aber ein Kinderstar-System gegeben hätte. Die meisten Kinderstars der Hochphase konnten ihre Karriere als Erwachsene nicht fortsetzen.
Erst in den 1950er Jahren formierte sich eine Kritik an der Ausbeutung von Kindern im Starsystem Hollywoods (thematisiert etwa in Viscontis Bellissima, 1951), die allerdings äußerst spät einsetzte; immerhin gab es seit dem 19. Jahrhundert eine breite Bewegung in den USA, die sich gegen Kinderarbeit zur Wehr setzte, die allerdings erst in den 1930er Jahren ein grundsätzliches Verbot von Kinderarbeit durchsetzen konnte. Die Arbeitsbedingungen, unter denen Kinder beim Film engagiert wurden, waren eigentlich ein offener Bruch mit diesen Regelungen.
Die Kinderstars waren ein spezifisch amerikanisches Phänomen, das es in dieser Explizitheit in keiner anderen Filmnation gegeben hat; dennoch gab es natürlich Kinderstars auch außerhalb des Hollywood-Systems (man denke an Sabu – The Jungle Book, 1940 – oder den holländisch-deutschen Schlagersänger Heintje – Hurra die Schule brennt, 1969).

Literatur: Best, Marc: Their Hearts Were Yound and Gay. Child Performers of the Screen. South Brunswick, N.J. [...]: Barnes 1975. – Darvi, Andrea: Pretty babies. An insider's look at the world of the Hollywood child star. New York: McGraw-Hill 1983. – Ford, Richard: Children in the Cinema. New York 1929. Repr. London 1939. Repr. Englewood: Ozer 1971. – Garncarz, Joseph: Warum gab es im Stummfilmkino keine deutschen Kinderstars? In: KINtop 7, 1998, S. 99-111. – Moore, Dick: Twinkle, twinkle, little star, but don't have sex or take the car. New York: Harper & Row 1984.

Referenzen:

Coogan-Gesetz

Kinderdarsteller


Artikel zuletzt geändert am 07.02.2012


Verfasser: JH


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