Lexikon der Filmbegriffe

Schnittfassungen

Im Lauf der Film- und Kinopraxis hat sich die Tatsache, dass Filme oft in mehreren Schnittfassungen vorliegen, in einer ganzen Reihe von Redeweisen niedergeschlagen. Dass die Frage nach einem „Original“

– einer integralen Ausgangsfassung – sich dabei immer in aller Schärfe stellt, ist evident.
– In der Praxis des Schneideraums unterscheidet man Roh- und Feinschnitt; dient der erste dazu, Szenen- und Bildfolgen festzulegen und deren argumentativen, narrativen und szenischen Zusammenhang zu sichern, gilt der Feinschnitt der endgültigen Festlegung des Rhythmus, der Weichheit und Stimmigkeit der Anschlüsse etc.
– Je nachdem, ob der Regisseur die künstlerische Kontrolle über den endgültigen Schnitt hat, wird der Director‘s Cut von anderen Schnittfassungen eines Films unterschieden; ihm kommt besondere philologische Wertschätzung zu.
– Gelegentlich werden nationale oder regionale Schnittvarianten hergestellt, um einen Film an die Wissenshorizonte des Marktes anzugleichen; so wurde Kubricks The Shining (1980) für den europäischen Markt um fast 30 Minuten gekürzt und um einen ganzen Bedeutungsstrang – die mythischen Rückbezüge auf die Kultur der Indianer – bereinigt.
– Sehr oft verfügen Zensurbehörden Schnittauflagen – der Film ist nur dann für einen Start im jeweiligen nationalen Markt zugelassen, wenn der Film an den markierten Stellen gekürzt wird; manchmal fertigen die Vertreiber selbst geschnittene Fassungen, um den Regelungen des Jugendschutzes zu genügen (z.B. beim Filmeinsatz in Flugzeugen oder auf Fähren).
– Gerade von Filmen, die an Tabus rühren oder die von massiven Verboten und Schnittauflagen betroffen waren, kursieren manchmal „ungeschnittene Fassungen“ (uncut versions), die möglichst alle auffindbaren Szenen enthalten. Der schon erwähnte The Shining liegt z.B. in einer europäischen (119min), einer amerikanischen (146min) und einer umfassenden japanischen (155min) Ausgabe vor.

Referenzen:

autorisierte Fassung

Feinschnitt

final cut

geschnittene Version

künstlerische Kontrolle

Original

Rohschnitt / Feinschnitt

uncut version


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HHM


Zurück