Lexikon der Filmbegriffe

Dauerwerbesendung: Rezeption

Empirische Untersuchungen zeigen, dass Dauerwerbesendungen mit ihren Konstruktionsbestandteilen (eingespielte Empfehlungen seitens zufriedener Kunden; Lob durch Prominente, die anwesend sind oder zugeschaltet werden; Expertenkommentare; Produktdemonstrationen und -tests; direkte Produktvergleiche; Bonus-Angebote, Rabatt-Aktionen u.ä.) in einer betont freundschaftlich-familiären, manchmal einer Talkrunde gutgelaunter Bekannter ähnlichen Atmosphäre, dem Zuschauer nicht nur eine besondere Spielart fernsehtypischer Parasozialität bieten, sondern für die werbenden Firmen auch handfeste ökonömische Umsätze im Milliardenbereich erzielen. Gerade das ausgiebige Ausprobieren von Geräten mit anschließender Begutachtung, das Herstellen von Werkstücken oder die Zubereitung einer Mahlzeit mittels eines beworbenen Küchengeräts überzeugt viele der potentiellen Kunden. Und geht einmal etwas daneben, sitzt etwa ein eingeschlagener Nagel schief, wohnen sie erst recht fasziniert der Rettung der Szene bei. Mit dem Siegeszug der reinen Verkaufs- und Marketingsender gewinnen alltägliche Dauerwerbesendungen mit ihrem vertrauten Personal für viele Menschen immer mehr den Charakter einer seriellen Tupperware-Party, bei der man nunmehr virtuell zu Gast bei Freunden zu sein glaubt, deren Aktionen man Anteil nehmend miterleben kann und durch die man sich gut beraten fühlen darf.
Von den älteren englischsprachigen Originalsendungen mit eingesprochenem deutschen Text und bewußt linkisch-lustigen, an Sitcoms erinnernden double acts führt ein direkter Weg zum neueren interaktiven Typus, bei dem man anrufen kann und – sei es um den Preis einer Bestellung – die neu gewonnenen Bekannten dankbar grüßen darf.

Literatur: Dunn, Anne: Ethics impossible? Advertising and the infomercial. In: Lumby, Catharine / Probyn, Elspeth (eds.): Remote control: new media, new ethics. Cambridge / New York: Cambridge University Press 2003, S. 133-151. – Etkind, Marc: Gadgetmania: the history and evolution of the infomercial. Princeton, NJ: Films for the Humanities & Sciences 2003 [DVD]. - Martin, B.A.S. / Bhimy, A.C. / Agee, T.: Infomercials and advertising effectiveness: an empirical study. In: Journal of Consumer Marketing 19, 2002, S. 468-480.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK


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