Lexikon der Filmbegriffe

Massenkultur

Die Alltagskultur eines jeden umfasst Gebräuche, Gewohnheiten und Gegenstände des Alltags; zu ihnen rechnen auch das Kino, das Fernsehen und alle anderen medialen Angebote und Nutzungen. Da die Alltagskulturen vieler über industriell gefertigte Objekte, Unterhaltungsangebote, wichtige Ereignisse etc. verfügen, z.T. sogar dadurch definiert sind, und weil insbesondere die Objekte nicht dem Kunstbereich zugerechnet werden können, ist sie eine Kultur der Massen, eine Massenkultur. In der Soziologie würde man sogar sagen, dass Massenkultur die primäre Erscheinungsform des Kulturellen im 20. und 21. Jahrhundert wäre, als Ausdifferenzierung des hegemonialen Prinzips der Industriegesellschaften angesehen werden müßte und in einer bis dahin beispiellosen Verschränkung von Ökonomisierung, Ästhetisierung, Globalisierung und Normalisierung des Sozialen (und des Subjektiven) die Sphäre des Alltäglichen dominiere und kontrolliere. Massenkultur in diesem Verständnis reguliert die jeweils subjektiven Selbst-, Welt- und Sozialvorstellungen und -verhältnisse, bringt eine bestimmte historische Form von Subjektivität, Realität und Sozialität (und deren wechselseitige Abhängigkeiten) hervor.
Das Kino wie die anderen Medien sind für die Entstehung und Stabilisierung der Massenkultur von größter Bedeutung, bilden sie doch einerseits einen nicht enden wollenden Stoff, an dem sich Prozesse der Ablenkung, der imaginären Flucht, der Belustigung, aber auch der Sinngebung entfalten können; andererseits sind sie eine der mächtigsten Agenturen, die die Integration spätkapitalistischer Gesellschaften noch leisten können, weil sie ubiquitär sind und nahezu alle differenzierten Subkulturen erreichen, weil sie selbst Gegenstand kultureller Praxis sind und weil sie relevante Wertgegenstände des sozialen Lebens (von medialen Figuren bis zu Kirchentagen und Fußballweltmeisterschaften, von Gliederungen der Alltagszeit bis zur Bewerbung von Stilen) hervorbringen und distribuieren können.

Literatur: Maase, Kaspar: Grenzenloses Vergnügen. Der Aufstieg der Massenkultur. 1850-1970. Frankfurt: Fischer-Taschenbuch-Vlg. 1997. – Strinati, Dominic: An introduction to theories of popular culture. London [...]: Routledge 2004.

Referenzen:

Konfektionsfilm


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HHM


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