Lexikon der Filmbegriffe

Mischfilm

engl.: live-action film

Die Kombination von Real- und Zeichenfilm nennt sich „Mischfilm“. Da die unterschiedliche Herkunft der Figuren nicht verborgen, sondern oft sogar betont wird, ist das Phantastische und Nichtreale dieser Filme und Geschichten unmittelbar greifbar. Seit den 1930ern hat es immer wieder Versuche gegeben, gezeichnetes Material mit Realaufnahmen zu verschmelzen. Oft wurde dabei mit der „kleinen Rückprojektion“ gearbeitet, die in viele Tricktische eingebaut war.
Einer der ersten Versuche war die lange, mehr als 150 Filme umfassende Reihe Out of the Inkwell (1920ff, diverse TV-Nachproduktionen) über die Abenteuer des Clowns Coco von den Brüdern Max und David Schleifer. Andere frühe Beispiele sind Lunch Hound (1927), in dem sich der Zeichner Walter Lantz in die Cartoonwelt von Pete the Pup versetzte, oder You Ought to Be in Pictures (1940, Friz Freleng), in dem Daffy Duck Porky Pig zu überreden versucht, das Cartoonland zu verlassen und sein Glück in den Realbildern zu suchen, oder auch Disneys Song of the South (1946, Harve Foster, Wilfred Jackson), der die Geschichten Onkel Remus‘ über den Bruder Rabbit erzählt. Gerade in der Figur des Roger Rabbit erlangte noch einmal als Mischwelt-Wesen Berühmtheit, als Robert Zemeckis mit Who Framed Roger Rabbit? (1988) einen der letzten großen Mischwelten-Film vor der elektronischen Bildbearbeitung realisierte. Die Irrealität der Mischfilm-Bilder scheint sie nicht nur für den Kinderfilm (man denke an die deutsche Pumuckl-Reihe, 1982ff, oder auch an Pete‘s Dragon, 1977, Don Chaffey), sondern auch für das Musical besonders interessant gemacht zu haben – man denke an die flotte Sohle, die Donald Duck mit einer realen Tänzerin in The Three Caballeros (1944, Norman Ferguson) hinlegte, an den Tanz von Gene Kelly und Jerry Mouse in Anchors Away (1945, George Sidney), an Gene Kellys eigenen Film Invitation to the Dance (1956) oder auch an das Disney-Musical Mary Poppins (1964, Robert Stevenson).

Literatur: Glaubitz, Nicola: Reanimationsversuche des Spielfilms. Kopplungen von Zeichentrick und Realfilm und das Kino der 1990er Jahre. In: Spielformen im Spielfilm. Zur Medienmorphologie des Kinos nach der Postmoderne. Hrsg. v. Rainer Leschke u. Jochen Venus. Bielefeld: Transcript 2007, pp. 41-66.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: RGI AS


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