Lexikon der Filmbegriffe

technique / technology

Vor allem in der englischsprachigen Historiographie des Films wird heute oft die Unterscheidung zwischen techniques und technologies gemacht. Dabei bezeichnet technology das Wissen über technische Geräte und Prozesse, über Zusammenhänge und alternative Mittel. So gehören die Verfahren der Wiedergabe von Farbe oder Ton im Film zur Technologie des Films. Dagegen ist technique das Wissen über die Anwendung oder Umsetzung einer Technologie, so dass die Dramaturgien der Farbe, ihre Koordination mit Figuren oder ihre Herleitung aus kulturgeschichtlich gewachsenen Semantiken der Farben von den technischen Apparaten und Verfahren getrennt werden. Techniken sind im weiteren Sinne nicht an die originären Apparate des Kinos gebunden, man kann also auch von „Techniken der Drehbuchentwicklung“ (techniques of screenwriting) sprechen. Ist das eine hardware- und mittelbezogen, benennt das andere die Strategien des Gebrauchs.
Für die Historiographie des Kinos steht die Apparate- und Technikgeschichte (technology) einer Geschichte der Verwendungsweisen, der Dramaturgien, Konventionen als „Gebrauchsgeschichte der filmischen Mittel“ (den techniques of cinema) gegenüber. Erstere ist eher Objekt- und Verfahrensgeschichte, letztere Gebrauchsgeschichte. Eine Geschichte der techniques ist oft angewiesen auf unkonventionelle Quellen – Lehrbücher, Gebrauchsanweisungen, Interviews mit Handwerkern des Kinos, Curricula von Ausbildungsgängen und anderes mehr –, weil die Gebrauchsweisen der Apparate und Mittel meist nur als Handwerkswissen kursiert und angewendet, selten aber explizit gefasst worden sind.

Literatur: Agazzi, Evandro: From technique to technology. The role of modern science. In: Philosophy and Technology 4,2, Winter 1998, S. 1-9. – Barnard, Timothy: From impressionism to communism. Léon Moussinac‘s Technics of the cinema, 1921-1933. In: Framework [URL: http://www.frameworkonline.com].


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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