Lexikon der Filmbegriffe

wiederholtes Sehen

engl.: repeated viewing

Das wiederholte Sehen eines Films, ob im Kino oder auf Video oder DVD, ist ein weit verbreitetes, wenngleich wenig erforschtes Phänomen, das im Widerspruch zu der weitverbreiteten Ansicht steht, die Narration sei die Hauptattraktion eines fiktionalen Films, weil dann der Film nach Besichtigung an Attraktivität verliert. Dagegen hat die Filmindustrie, vor allem die amerikanische, immer schon auf wiederholtes Sehen gesetzt. Wiederaufführungen (re-releases) von Filmen im Kino, heute eine Ausnahme, waren bis zur Einführung von Video in den 1970er Jahren eine übliche Verwertungsform und sprachen auch ein Publikum an, das die Filme bereits kannte. Auch der wirtschaftliche Erfolg von Video und DVD beweist, dass es ein großes Publikum gibt, das sich Filme offensichtlich mehr als einmal ansieht. Mit steigenden Produktionskosten sind gerade Hollywood Blockbuster seit den 1980er Jahren auf wiederholtes Sehen angewiesen, wollen sie finanziell erfolgreich sein. Der verstärkte Einsatz von Elementen wie Action-Szenen im sogenannten postklassischen Hollywoodkino stellt auch eine Erhöhung des „repeat (viewing) value“ dar und ist daher auch vor ökonomischem Hintergrund zu betrachten. Wiederholtes Sehen konnte als Rezeptionspraxis zuletzt in Fällen wie Titanic (1997) und Men In Black (1997) registriert werden. Der Erfolg von ersterem war ohne wiederholtes Sehen nicht möglich, da ein derartiges Einspielergebnis mit einem Publikum, das nur einmal ins Kino geht, nicht erreichbar gewesen wäre. Im Fall von MIB wurde wiederholtes Sehen sogar zum Inhalt einer Werbekampagne gemacht.
Außerhalb des westlichen Mainstreamkinos ist wiederholtes Sehen ein weit verbreitetes Phänomen. So ist beispielsweise in Indien wiederholtes Sehen die Regel und nicht die Ausnahme.


Artikel zuletzt geändert am 18.07.2011


Verfasser: CT


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