Lexikon der Filmbegriffe

Hegemonie

von griech.: hegemonia = Vorherrschaft, auch: Führung

Der Begriff der Hegemonie geht auf einen Versuch des italienischen Gesellschaftstheoretikers Antonio Gramsci zurück, die hohe Popularität und den Erfolg des faschistischen Mussolini-Regimes in Italien trotz der hohen Repression für die meisten italienischen Bürger zu erklären: Hegemonie ist eine Form von Herrschaft, die nicht als solche sichtbar ist. Sie ist konsensuell orientiert, setzt Machtansprüche mit der Zustimmung der Beherrschten durch. Hegemoniale Verhältnisse sind Gegenstand permanenter Aushandlung zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen; immer gilt dabei, die Interessen der dominierenden Gruppe als Gemeininteressen aller darzustellen. Nach außen wie nach innen werden die tatsächlichen Machtverhältnisse verschleiert, bestehende Konflikte werden abgeschwächt. Es ist Aufgabe einer politisch motivierten Cultural-Studies-Medienforschung, die Rolle der Medien und der medial vermittelten Inhalte aufzuklären, die sie bei der Stabilisierung hegemonialer Machtverhältnisse haben. Hegemoniale Kräfte in einer Gesellschaft verändern beständig die Strategien ebenso wie die Sujets, so dass auch – sofern vorhanden – Gegenkräfte sich permanent an die Herrschenden assimilieren müssen, sofern sie nicht selbst hegemoniale Strukturen hervorbringen. Nach Gramsci ist die „kulturelle Hegemonie“ (als „Deutungshoheit“) die Bedingung der Möglichkeit, politische Herrschaft auszuüben. Sie reicht bis in Formen der Alltagskultur und Folklore hinein, hat mit Medien das wichtigste Instrumentarium, Deutungsmuster zu verbreiten und einzuüben, die von Beherrschten als Eigenbesitz erfahren werden und dabei doch paradoxerweise dem eigentlichen Machtinteresse dienen. Hegemoniale Interessen sind sowohl innergesellschaftlich wie auch im Verhältnis verschiedener Staaten wirksam, so dass auch die Untersuchungen zur Rolle der Filmindustrie bei der Etablierung globaler Machtverhältnisse in beide Richtungen orientiert werden können.

Literatur: Brooker, Will: Cultural Studies. London: Hodder & Stoughton 1998.

Referenzen:

Deutungshoheit


Artikel zuletzt geändert am 30.07.2011


Verfasser: HHM


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