Lexikon der Filmbegriffe

deus ex machina

lat. = der Gott aus der Maschine

Die Bezeichnung bezieht sich ursprünglich auf die mechane (griech./lat.; auch: machina), eine kranähnliche Maschine, die im antiken Theater das Herabschweben der Gottheit von oben ermöglichte. In verschiedenen griechischen Tragödien wurde eine unlösbare Verwicklung kurz vor dem Ende durch den Machtspruch eines mittels Maschinerie von oben auf die Bühne herabgelassenen Gottes gelöst. Aus dieser Konvention ist der deus ex machina eine sprichwörtlich-dramaturgische Bezeichnung für jede durch plötzliche, ganz unmotiviert eintretende Ereignisse, Personen oder außenstehende Mächte bewirkte Lösung eines Konflikts im Drama wie im Alltagsleben.
Derartige Schlüsse werden im modernen Spiel meist vermieden, weil sie ebenso unglaubhaft wie unwahrscheinlich sind. Allerdings akzentuieren Deus-ex-Machina-Lösungen den Illusionscharakter des Spiels, deuten manchmal auch auf verdeckte Wunschorientierungen der Figuren (oder des Zuschauers). Beispiele sind darum höchst signifikant. In Sonja schafft die Wirklichkeit ab oder... Ein unheimlich starker Abgang (1973) schwebt der Eiskunstläufer Hans-Jürgen Bäumler, das Idol der Protagonistin, als Erlösungsengel in den Gerichtssaal und fliegt mit der Heldin in den Himmel hinaus. In Shakespeare in Love (1999) ist der Auftritt der Königin Elisabeth, die am Ende die unlösbar miteinander verwoben scheinenden Fäden der Intrige entwirrt, durch nichts motiviert – und agiert so ironisch im Rahmen einer Theaterdramaturgie, gegen die sich der Held vorher abzusetzen suchte. 
 

Referenzen:

silver bullet


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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