Lexikon der Filmbegriffe

Peepshow

auch: Raree Shows (wohl eine falsche Anglisierung des deutschen „Raritätenkabinetts“); dt.: Guckkasten

Eine peepshow ist ein geschlossener Kasten mit einem Guckloch, durch das der Betrachter das im Innern des Kastens ausgestellte Objekt des Blicks in Augenschein nehmen kann. Für die Beleuchtung waren Schlitze vorgesehen, durch die Kerzenlicht auf das Objekt fallen konnte; gelegentlich gab es Öffnungen auf der Rückseite, so dass auch Hinterlichter (zu Zwecken visueller Effekte) eingesetzt werden konnten. Nach der Erfindung des elektrischen Lichts waren die Leuchtkörper im Innern des Kastens angebracht. Peepshows kamen im 18 Jahrhundert in Europa und in Japan auf.
Ein erster Typus gestattete einen Blick durch ein optisches Gerät in den Kasten hinein – es wurden soziale, militärische oder auch erotische Szenen sichtbar; manchmal wurde mit dem 3-D-Effekt gespielt; wurden Bilder eingesetzt, konnten diese in aller Regel mittels Draht oder Leinenzügen gewechselt werden, so dass in Kombi-Shows Bildwechsel wie Bühnenumbauten eingesetzt wurden. Ein zweiter Typus – manchmal boite d‘optique [= optisches Gehäuse] genannt – war höher als tief und führte den Blick mit einem Spiegel auf die Frontseite zurück. Ein dritter Typus entstammt dem erotischen Theater und gestattet einen (heimlichen und meist anonymen) Blick auf eigentlich verbotene erotische Szenen. Heute sind Peepshows zentrale Drehbühnen, um die Einzelkabinen der Zuschauer herumgruppiert sind. Durch einen Schlitz, den man durch den Einwurf von Geldstücken öffnen kann, wird für eine vereinbarte Frist der Blick auf das Bühnengeschehen freigegeben.
Edisons Filme wurden in Peepshows ausgewertet, und auch manche Formen der Daumenkinos standen als Peepshows an öffentlichen Plätzen, in Bahnhöfen, Penny-Arkaden und ähnlichen Orten.

Literatur: Balzer, Richard: Peepshows. A Visual History. New York: Abrams 1998. Robinson, David: From Peep Show to Palace. The Birth of American Film. New York: Columbia 1996. – Dewitz, Bodo von / Nekes, Werner (Hrsg.): Ich sehe was, was Du nicht siehst! Sehmaschinen und Bilderwelten – die Sammlung Werner Nekes. Göttingen: Steidl 2002.

Referenzen:

Diorama I: Illusionsszenen

Kromskop

Mutoskop

Zograscope


Artikel zuletzt geändert am 08.02.2012


Verfasser: JH


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