Lexikon der Filmbegriffe

Dramatologie

engl.: dramatology; gelegentlich auch: dramaturgism

Der Dramaturgie zur Seite gestellt ist die Dramatologie, die in der Soziologie seit Goffmans bahnbrechenden Überlegungen in seinem Wir alle spielen Theater (1959) als Verfahren der Mikrosoziologie Fuß gefasst hat. Es geht darum, Ereignisse und Situationen des Alltagslebens als inszenierte Szenen zu untersuchen und in den Kategorien des Theaters und der Dramaturgie zu beschreiben. Man stößt so auf eine Dramatisierung des sozialen Lebens, auf das Bemühen einzelner Handelnder, eine Figur in ihren Verhaltensweisen als Rolle aufzubauen und zu kontrollieren, die sich nach Drehbüchern oder Skripten zu verhalten vermag, Rollenauftritte nach einem aus Medien gewonnenen Wissen zu inszenieren imstande ist etc. Für die Untersuchung des abgebildeten sozialen Verhaltens von Figuren ist die dramatologische Perspektive aufschlussreich, weil sie Figurenverhalten in Kategorien von Verhaltenssoziologie beschreibbar macht. Wichtiger als eine (naive) wirkungspsychologische Parallelisierung von Film- und Realverhalten ist für die Dramatologie aber der umgekehrte Blick, Kategorien des Figurenhandelns im Film zur Beschreibung von Realhandeln benutzen zu können. 

Literatur: Dennis Brissett / Charles Edgley (eds.): Life as Theatre: A Dramaturgical Sourcebook. Hawthorne/New York: Aldine de Gruyter 1990, S. 1-46.
 

Referenzen:

sequentielle Analyse


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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