Lexikon der Filmbegriffe

Jugendfilmstunden

Jugendfilmstunden (= Jugendfilmstunden des Deutschen Reiches) wurden seit 1934 von der Hitler-Jugend durchgeführt. Die Jugendfilmstunden waren Propaganda-Veranstaltungen, für die die örtlichen Kinobetreiber ein- bis zweimal monatlich ihre Vorführsäle zur Verfügung stellen mussten. Auf dem Land, wo es keine Kinos gab, wurden Jugendfilmstunden in Jugendhäusern, Schulgebäuden, Schießhallen, Wirtshäusern und Gemeindesälen durchgeführt. Auf den weihevollen Charakter der Veranstaltungen wurde großer Wert gelegt. Auf den geschlossenen Einmarsch der HJ-Jungen folgte gemeinsamer Gesang und die Vorführung der aktuellen Wochenschau und von Dokumentar- und Spielfilmen (oft propagandistischen Interesses). Die Teilnahme an den Jugendfilmstunden erfolgte offiziell außerhalb des eigentlichen HJ-Dienstes. Daher genossen die Veranstaltungen auch keine staatliche Förderung, sondern mussten sich finanziell selbst tragen. Ab November 1939 wurden die Kinobesitzer allerdings verpflichtet, mindestens einen Sonntagvormittag pro Monat für Jugendfilmstunden zur Verfügung zu stellen.
Allein im Berichtsjahr 1942/43 fanden mindestens 18.000 derartige Veranstaltungen vor 2,5 Millionen Zuschauern aus HJ und BDM statt.

Literatur: Funk, Alois: Altmann, John: Movie's Role in Hitler's Conquest of the German Youth. In: Hollywood Quarterly 111. – Bundesarchiv/Kulturamt der Stadt Koblenz (Hg.): Ausstellung zur Filmreihe "Jugend im NS-Staat". Koblenz: Bundesarchiv 1978. – Jugendfilm im Nationalsozialismus. Dokumentation und Kommentar. Kommentar v. Hartmut Reese. Münster: Lit 1984 (Geschichte der Jugend. 7.). – Stelzner-Large, Barbara: "Der Jugend zur Freude"? Untersuchungen zum propagandistischen Jugendspielfilm im Dritten Reich. Weimar: VDG, Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften 1994. – Dustdar, Bianca: Film als Propagandainstrument in der Jugendpolitik des Dritten Reichs. Alfeld: Coppi 1996 (Aufsätze zu Film und Fernsehen. 32.).


Artikel zuletzt geändert am 04.01.2012


Verfasser: CA


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