Lexikon der Filmbegriffe

Problemwestern

engl.: psychological western, adult western

Genreüberschreitende und den Unterhaltungscharakter sprengende Spielart des Western, die noch vor dem Siegeszug des Italowestern in den 1950er Jahren aufkam (wenngleich es Vorläufer gibt). Die Filme sind von Gesellschaftskritik durchzogen (wie High Noon, 1952, Fred Zinnemann), problematisiert werden z.B. die rassistische Ausbeutung und Ermordung der Indianer (zum Rassismus: The Searchers, 1956, John Ford), die kapitalistischen Verhaltensweisen in Goldgräberstädten (man denke an die Kapitalismus-Kritik noch in McCabe and Mrs. Miller, 1971, Robert Altman), die psychische Verfassung alternder Draufgänger, die Situation der Frauen in der Männergesellschaft des Westens (zu Männlichkeitsmodellen: The Naked Spur, 1953, Anthony Mann) etc. Stereotype werden hinterfragt, genretypische Verharmlosungen und blinde Flecken aufgelöst, lustbetonte Action durch die realistische Schilderung ihrer Folgen entzaubert. Allerdings, zu Aufklärung und historischer Richtigstellung treten oft neue Unterhaltungsmomente wie Sexualität und sadistische Gewalt hinzu – daher die im Amerikanischen verbreitete Rede vom adult western – nur für Erwachsene geeignet.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: PB


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