Lexikon der Filmbegriffe

Sexualdelikt

Motiv in unterschiedlichen Genres. Die Bandbreite reicht von sensationslüsternen Geschichten (etwa im Exploitation-Kino), in denen das Sexualdelikt ein bloßer Vorwand zur Darstellung von Sexualität ist, über Kriminalfilme und Thriller, in denen das Verbrechen ein Spannungselement ist, bis hin zu anspruchsvollen komplexen Charakterstudien und Gesellschaftskritiken, die die Perspektive des Opfers einnehmen und die Traumatisierungen aufnehmen, die oft zu den Dauerschäden gehören, die von Vergewaltigungen verschiedenster Art ausgelöst werden. Sexuelle Gewalt im Kontext von Haft, Verhör, politischer Verfolgung oder Folter ist nach wie vor selten und wird in der subjektiven Bedeutung eher marginalisiert - die Anwendung sexueller Gewalt ist im Horizont politischer Verfolgung wohl als relativ „normal“ empfunden. In vielen Filmen wird die Darstellung des eigentlichen Sexualdelikts vermieden; dies kann auf zeitgenössische Zensurbedingungen zurückzuführen sein oder auf die Seriosität und den Respekt der Filmemacherin oder des Filmemachers vor den Opfern. In der Regel handeln die Filme von weiblichen oder kindlichen Opfern von sexueller Gewalt. Die Darstellung männlicher Opfer ist selten und wird, etwa im Gefängnisfilm, entweder im Vorbeigehen verharmlosend angetönt oder aber als Verbrechen gezeigt, dessen Entsetzlichkeit weitaus schockierender sein soll (und auch so rezipiert werden soll), als dies im Vergleich zu den viel alltäglicheren weiblichen Opfern geschieht.

Beispiele: M – Eine Stadt sucht einen Mörder (1931, Fritz Lang); Es geschah am hellichten Tag (1958, Ladislaus Vajda); Cruising (1980, William Friedkin); Pelon Maantiede (1999, Auli Mantila).
 

Referenzen:

rape-revenge-film


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2011


Verfasser: PB


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