Lexikon der Filmbegriffe

falsche Fährte

Eine Fährte in dramaturgischem Sinne ist der Entwurf eines sinnvollen Kontextes, eines roten Fadens, der durch die Kette der Ereignisse gelegt werden kann. Eine falsche Fährte ist entsprechend eine Hypothese, an die man in der Rezeption geglaubt hat und die sich als falsch erwies. Allerdings gehört das Wissen darum, dass Hypothesen trügerisch sein können, zum Hypothesenbilden dazu. Das Fährtenlegen ist Teil der dramaturgischen Arbeit und dem Zuschauer zugänglich – er weiß, dass in manchen Fällen der Erzähler ihn zu täuschen versuchen wird, ihn in falsche Richtungen lockt, ihn zu übertölpeln versucht. Das ist ohne bösen Willen und gehört zum Spiel. Der Erzähler lügt nicht, sondern arrangiert die Informationen für den Zuschauer und sein Bemühen, sie in einen Zusammenhang zu bringen. Eine Geschichte zu verstehen heißt für jenen immer, sich auf unsicherem Boden zu bewegen. Erweist sich eine Zusammenhangshypothese als falsche Fährte, wird der Zuschauer gezwungen, die Informationen, die er bis dahin erhalten hat, erneut zu prüfen und zu neuen Zusammenhangsannahmen zu synthetisieren. Gerade darum erzwingen falsche Fährten Veränderungen der Zuwendung, sie machen es nötig, das Geschehen noch einmal synoptisch in den Blick zu nehmen und die Informationen retroaktiv neu zu gliedern.

Referenzen:

falscher Alarm

false alarm device

roter Hering


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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