Lexikon der Filmbegriffe

Heldenreise / mythische Heldenfahrt

Im Bereich der Drehbuch-Literatur die insbesondere durch die Handbücher von Christopher Vogler popularisierte „spezifische Ausprägung eines kanonischen Story-Schemas“ (Eder) auf Grundlage der vergleichenden Mythenforschung von Joseph Campbell, eines Autors, der Elemente aus der Tiefenpsychologie C.G. Jungs, der Psychoanalyse Sigmund Freuds sowie auch Mythologeme Rudolf Steiners aufgenommen hat. Campbell hat sich an mehreren Stellen explizit auf Lucas‘ Star Wars (1977) bezogen, so wie dieser sich wiederum namentlich auf Campbell beruft.
In zahlreichen populären Abenteuerfilmen lassen sich neben archetypischem Personal – der Held, der Mentor (Lehrer, Guru), der Wächter (Threshold Guardian), der Bote, der Formwandler, der Schatten und der Trickster – bis zu zwölf analytisch trennbare Stationen auf dem Initiationsweg des Helden ausmachen, die in den einzelnen Filmen in unterschiedlicher Intensität ausgeprägt vorkommen. Diese Übergangsphasen oder Stationen innerhalb der filmischen Erzählung werden in ihrer maximalen zwölfstufigen Entfaltung terminologisch gefasst als: (1) The Ordinary World; (2) Call to Adventure; (3) Refusal of the Call; (4) Meeting with the Mentor; (5) Crossing the First Threshold; (6) Tests, Allies, Enemies; (7) Approach to the Inmost Cave; (8) (The Supreme) Ordeal (= Gottesurteil, Feuerprobe); (9) Reward (for Seizing the Sword); (10) The Road Back; (11) Resurrection (= Neubelebung, Wiederauferstehung); (12) Return with the Elixir.
Während das ursprüngliche Interesse des Religionswissenschaftlers Campbell darin lag, anhand auch populären Materials die Allgemeingültigkeit seiner Theorie über die mythische Initiation des Helden auf dessen Weg zur Selbstfindung, seine Suche nach Wahrheit, Sinn und Bedeutung zu belegen, gerät in griffige Formeln verpackte Ausschlachtung seiner begrifflichen Zusammenraffungen – wie die Filmbeispiele zeigen können – allzu leicht zu beliebten, wenngleich nicht ungefährlichen Formen der Darstellung humanistischen Militarismus, faschistoider Glaubenskulte bzw. in der harmlosesten Interpretation zu bloßem Credotainment.
Nachweisen lassen sich die Stationen solcher Heldenreisen in – um nur einige zu nennen – so bekannten Filmen wie The Wizard of Oz (1939), Star Wars (1977), die Indiana-Jones-Reihe (1981-1989), The Lion King (1994), Titanic (1997), Shrek (2001) oder Lord of the Rings 1-3 (2001-2003).

Literatur: Campbell, Joseph: The hero with a thousand faces. New York: Pantheon Books 1949 (u.ö.); dt.: Der Heros in tausend Gestalten. 3. Aufl., Frankfurt: Insel 1999. – Eder, Jens: Dramaturgie des populären Films. 2. Aufl., Münster/Hamburg / London: LIT 2000. – Hammann, Joachim: Die Heldenreise im Film. Drehbücher, aus denen die Filme gemacht werden, die wirklich berühren. Frankfurt: Zweitausendeins 2007. – Vogler, Christopher: The writer's journey. Mythic structure for writers. 2nd ed., Studio City, CA: Wiese Productions 1998 / London: Pan 1999; dt.: Die Odyssee des Drehbuchschreibers. Über die mythologischen Grundmuster des amerikanischen Erfolgskinos. 4. Aufl., Frankfurt: Zweitausendeins 2004.

Referenzen:

Abenteuerfilm

American Monomyth

approach to the inmost cave

call to adventure

crossing the first threshold

Dramaturgie

Erzählung / Narration

Held

Initiation

meeting with the mentor

Mythos und Film

ordeal

ordinary world

refusal of the call

resurrection

return with the elixir

reward (for seizing the sword/elixir)

road back

supreme ordeal

tests, allies, enemies


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK


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