Lexikon der Filmbegriffe

Filmaufbau GmbH

Am 12.10.1946 wurde die Filmaufbau GmbH von der Information Control der britischen Militärregierung lizensiert, sie nahm ihren Firmensitz in Göttingen. Das erste Projekt war der Trümmerfilm Liebe 47 nach Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“. Mit Beginn der Dreharbeiten wurden die neuen und hochmodernen Studios der Filmaufbau am 21.8.1948 eröffnet. Der Film erwies sich als Flop, so dass es am 8.3.1949 zur Trennung der Studiogesellschaft Filmatelier Göttingen GmbH (aufgelöst 1962) und der Produktion Filmaufbau GmbH Göttingen kam. Nachtwache (1949, Harald Reinl) wurde nicht nur ein vielfach ausgezeichneter Publikumserfolg, sondern Ausgangspunkt für eine ganze Reihe von Aufbau-Filmen melodramatischen und komödiantischen Zuschnitts (Frauenarzt Dr. Praetorius, 1950, Curt Goetz; Es kommt ein Tag, 1950, Rudolf Jugert; Hokuspokus, 1953, Kurt Hoffmann). Die Ausfallbürgschaften der Bundesregierung schützten die mehr als 50 Filme umfassende Produktion bis 1955. Danach drehte die Aufbau nicht nur in Göttingen, sondern auch in Studios in Berlin, Hamburg und München.
Thiele übernahm ab 1951 (Primanerinnen) eigene Regieaufgaben, wurde damit zu einem der erfolgssichersten Regisseure der Aufbau (Der Tag vor der Hochzeit, 1952; Die Barrings, 1955; Friederike von Barring, 1956; Der tolle Bomberg 1957; El Hakim, 1957). Abich vertrat die Produktion, initiierte solche Projekte wie Thomas-Mann-Verfilmungen (Königliche Hoheit, 1953, Harald Braun; Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, 1957, Kurt Hoffmann). Eine Koproduktion der „Buddenbrooks“ mit der Defa kam gegen den Widerstand der BRD-Regierung nicht zustande (1958), musste von der Aufbau allein finanziert werden (1959). Abichs Vertrag mit der Münchner Bavaria als „Gastproduzent“ (1956-59) bereitete den Umzug der Aufbau GmbH nach München vor (1957-1960). Abich verließ die Firma 1961, wurde Programmdirektor von Radio Bremen. Thiele schied schon 1959 aus der Aufbau aus.
Die drei besten Filme des Jahres 1958 waren Aufbau-Produktionen und markierten zugleich den Niedergang der Firma: Wir Wunderkinder (Kurt Hoffmann), Unruhige Nacht (Falk Harnack) und Das Mädchen Rosemarie (Rolf Thiele). Es war die Rolle der Filmaufbau in den 1950ern, ein Hort des problemorientierten Spielfilms zu sein. In den 1960ern und 1970ern spielte sie keine große Rolle mehr, war noch an einigen Koproduktionen beteiligt (darunter Tonio Kröger, 1964, Rolf Thiele; Ansichten eines Clowns, 1975, Vojtech Jasný). Der Nachlass der Filmaufbau ist 1991 an die Hannoveraner „Gesellschaft für Filmstudien“ gefallen. 

Literatur: Findbuch zum Nachlaß der Filmaufbau GmbH Göttingen. Hrsg. v. Gesellschaft für Filmstudien. Hannover: Gesellschaft für Filmstudien [...] 1993ff. – Meier, Gustav: Filmstadt Göttingen. Bilder für eine neue Welt? Zur Geschichte der Göttinger Spielfilmproduktion 1945 bis 1961. Hannover: Reichold Vlg. 1996 (Schriftenreihe des Landschaftsverbandes Südniedersachsen. 6.). – Sobotka, Jens U.: Die Filmwunderkinder.Hans Abich und die Filmaufbau GmbH Göttingen. Diss. Münster 1998 [Druckfassung 1999].


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: CA


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