Lexikon der Filmbegriffe

hallyu

korean., dt. = Korea-Welle

Seit 2000 geht die Rede von einer „Korea-Welle“ in Asien um – einer umfassenden Begeisterung für die koreanische Popmusik, Fernsehserien und Filme. Die internationale Vermarktung insbesondere für Produkte der Unterhaltungsindustrie schoss rapide in die Höhe. Laut offizieller Statistik kamen 2004 weit über 3 Millionen Touristen ins Land, um die Orte, an denen die Filme spielen, die Studios und die Stars zu besichtigen.
Die koreanische „Neue Welle“ beginnt 1992 mit Gyeolhon iyagi ([Marriage Story], Ui-seok Kim), einer romantischen Liebesgeschichte, die von dem Elektronik-Konzern Samsung finanziert wurde und die der erste Film nach der radikalen Kontingentierung des Kinomarktes war, den die Regierung 1967 verfügt hatte, der ohne staatliche Unterstützung entstand. 1999 entstand Shiri (Je-gyu Kang), eine in Nordkorea spielende Spionagegeschichte, die den eigentlichen Beginn der hallyu markiert – nach kurzer Zeit spielten koreanische Filme mehr als 50% des Einspiels auf dem heimischen Markt ein. Yeopgijeogin geunyeo ([My Sassy Girl], 2001, Jae-young Kwak) wurde der am meisten ins Ausland verkaufte Film, der je in Korea gedreht wurde. Die Regisseure der koreanischen Neuen Welle sind meist im Ausland ausgebildet worden, konnten aber auf professionelle Mitarbeiter vor allem aus dem Fernsehen zurückgreifen. Technische Brillanz, Professionalität von Schauspiel und Inszenierung, die Adaption koreanischer Stoffe und eine erkennbare Annäherung an die koreanische Kultur fanden ein breites Publikum, das die Vorherrschaft der amerikanischen Filme schnell verdrängte, obwohl die Hallyu-Filme fast immer Low-Budget-Produktionen waren. Neben anderen Regisseuren fand der 1960 geborene Ki-duk Kim internationale Aufmerksamkeit, gilt heute als einer der wichtigsten Autorenfilmer (mit Filmen wie Bom yeoreum gaeul gyeoul geurigo bom / Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling, 2003, und Samaria, 2004). Für den Erfolg in breiten Bevölkerungsschichten ist auch bedeutsam, dass sich die Regionalisierung von Stoffen und Erzählweisen auch im Fernsehen niederschlug – in Serien wie insbesondere Gyeoul yeonga ([Winter-Sonate], 2002, Seok-ho Yun).

Literatur: Lee, Eun-Jeung: Korean wave (Hallyu). Korea als eine neue „Kulturmacht“ in Asien? In: Bochumer Jahrbuch zur Ostasienforschung 28, 2004.


Artikel zuletzt geändert am 30.07.2011


Verfasser: AS


Zurück