Lexikon der Filmbegriffe

Hörfilm

(1) früher auch: akustischer Film; Radiofilm; Film-Hörspiel

Aus der Anfangszeit des Radios stammende Gattung des Hörspiels, in dem die Verwandtschaft zu den kompositorischen und erzählerischen Strukturen des Films betont wurde. Walter Ruttmanns Hörcollage Weekend (1930) komponierte Geräusche, Musikfetzen und Sprachpartikel ohne Handlung und setzte Montageprinzipien des russischen Dokumentarfilms ein; Weekend ist einer der wenigen erhaltenen Hörfilme der Anfangszeit. Das „Film-Hörspiel“ wurde bis in die 1980er hinein immer wieder erprobt. (AS)

(2) In einem eigenen Bearbeitungsschritt wird manchen Filmen eine Hör-Spur unterlegt, die den Zugang für Blinde und Sehbehinderte ermöglichen soll. Akustischen Untertiteln vergleichbar, beschreibt eine Audiodeskription in knappen Worten zentrale Elemente der Handlung sowie Gestik, Mimik und Dekors. Die Bildbeschreibungen werden in den Dialogpausen eingesprochen. Derartige „Hörfilme“ werden auf Video oder DVD vertrieben, gelegentlich auch im Zweikanalverfahren vom Fernsehen angeboten (seit Mitte der 1990er Jahre, mit enorm steigender Häufigkeit). Als Produzent derartiger Fassungen in Deutschland ist vor allem die Deutsche Hörfilm gGmbH (DHG) zu nennen. Sie ist aus dem „Projekt Hörfilm“ des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands (DBSV) entstanden, der Alleingesellschafter der DHG ist.

Literatur: Fix, Ulla (Hg.): Hörfilm. Bildkompensation durch Sprache. Linguistisch-filmisch-semiotische Untersuchungen zur Leistung der Audiodeskription in Hörfilmen am Beispiel des Films "Laura, mein Engel" aus der "Tatort"-Reihe. Berlin: Erich Schmidt Verlag 2005.

Weitere Informationen: www.hoerfilmev.de (Homepage der Hörfilm: Vereinigung deutscher Filmbeschreiber); www.hoerfilm.de (Homepage der Deutsche Hörfilm gGmbH).

Referenzen:

Audiodeskription


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: AS HHM


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