Lexikon der Filmbegriffe

Laiendarsteller

engl.: amateur actor

Verschiedene Spielfilmtraditionen arbeiten mit Laien, sei es aus ästhetischer Überzeugung oder weil für bestimmte Rollen geeignete Schauspieler und Schauspielerinnen fehlen. Daraus ergeben sich Möglichkeiten und Limitationen: Einerseits spielen Laien meist sich selbst oder Personen, die ihnen ähnlich sind; dabei führen die physischen Spuren des Alltags, die Prägung durch eine spezifische Kultur oder der Dialekt zu einer Authentizität, Direktheit und Unverbrauchtheit, die ausgebildete Schauspieler und Schauspielerinnen nicht unbedingt erreichen. Andererseits sind die mangelnde Professionalität und die fehlende Technik von Laien zu verzeichnen, das tendenzielle Unvermögen, längere Passagen zu sprechen, Rollen in sich stimmig und bruchlos zu interpretieren oder emotional zwischen Rolle und Realität zu unterscheiden. Ansätze, Laien einzusetzen, finden sich vor allem dort, wo semidokumentarische Authentizität angestrebt wird (Menschen am Sonntag, 1929; Takhte siah, 2000) – am konsequentesten im Neorealismus (Paisà, 1946; La terra trema, 1948) –, aber auch in vielen experimentellen Spielfilmen (wie den Filmen von Bresson) sowie fast grundsätzlich in Filmen, in denen es um Kindheit und Adoleszenz, Minoritätenprobleme und Behinderung geht.

Referenzen:

Milieustudie

Quartierstudie

Semidokumentarfilm


Artikel zuletzt geändert am 24.01.2012


Verfasser: PB


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