Lexikon der Filmbegriffe

Parabase

von griech.: pará-basis = Fehltritt, Abschweifung

Schon in der attischen Komödie trat der Chor gelegentlich aus seiner fiktionsinternen Rolle und sprach in eigener Sache oder in der des Dichters direkt zum Publikum. Mag es historisch oft um die Kritik oder Schmähung realer Zustände oder Personen (insbesondere Politiker) gegangen sein, um Verfremdungseffekte im Sinne des epischen Theaters oder auch um die besonderen Strategien des Kabaretts, ist die Parabase im Film eine rigorose Form der Fiktionsbrechung. Angefangen bei den Formen der Direktadressierung, die oft eine eigene Beziehung des Akteurs oder der Figur zum Publikum begründen, bis zu Kommentaren des Regisseurs oder auch des Requisiteurs (wie am Ende von Truffauts La Nuit américaine, 1972) gibt es eine große Vielzahl parabasischer Formen. Meist werden Parabasen ironisch gesetzt – wie der Chef der Budapester U-Bahn, der noch vor dem Titel des ungarischen U-Bahn-Thrillers Kontroll (2003, Nimród Antal) versichert, die folgende Geschichte spiele zwar in der U-Bahn, diese habe aber mit der realen U-Bahn nichts zu tun.

Literatur: Hubbard, Thomas K.: The mask of comedy. Aristophanes and the intertextual parabasis. Ithaca [...]: Cornell University Press 1991.


Artikel zuletzt geändert am 25.07.2011


Verfasser: AS


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