Lexikon der Filmbegriffe

Parabel

von griech. Parabole = Vergleichung, Gleichnis

Erzählform, in der ein lehrstück- oder gleichnishafter Vergleich zur eigenständigen Erzählung erweitert wird. Ihre Funktion besteht in der Illustration einer oft moralischen Pointe oder aber einer allgemeinen Wahrheit. Was genau verglichen werden soll, wird jedoch nicht immer durch direkten Vergleich angedeutet, sondern muss gelegentlich auch erschlossen werden. Die Bezüge zwischen Parabel und Allegorie sind zweischneidig: Einerseits gelangt das Publikum in beiden Fällen nur über ein Schlussverfahren zum eigentlich Gemeinten. Andererseits lässt sich bei der Parabel der Vergleich von nur einem Punkt aus auf den gemeinten Sachverhalt übertragen; die Allegorie ist dagegen Punkt für Punkt auf zwei Ebenen zu lesen, verlangt also vom Publikum ein größeres Abstraktionsvermögen. Damit öffnet sich eine große interpretatorische Macht, die die Bedeutung eines Films in die Hände des Publikums und in die Abstraktionslust der Kritik legt. Als Parabel von Macht und Untergang gilt Kurosawas Ran (1984), Fassbinders Faustrecht der Freiheit (1975) als wüste Parabel über die Erfolgs- und Leistungsgesellschaft. Die Beispiele zeigen, dass das Parabolische oft als interpretativer Fluchtpunkt von Filmen ausgewiesen wird, das Besondere der Erzählung als Exemplarisches umdeutend und darin eine Verallgemeinerung ermöglichend.
Beispiele: Du skal ære din hustru (1925, Carl Theodor Dreyer); O thiassos (1975, Theo Angelopoulos); Pastry, Pain and Politics (1998, Stina Wehrenfels).

Literatur: Dithmar, Reinhard (Hrsg.): Theorien zu Fabel, Parabel und Gleichnis. Ludwigsfelde: Ludwigsfelder Verlags-Haus 2000. – Liebchen, Wilfried: Die Fabel: Das Vergnügen der Erkenntnis. Fabel, Gleichnis, Parabel, Witz. Mit einer Abhandlung über die Formkriterien dieser Gattung. Kilianshof: Fabel-Verlag Liebchen 1990.

Referenzen:

Allegorie

Apolog

Fabel (1)

Fabel (2)


Artikel zuletzt geändert am 08.02.2012


Verfasser: PB HJW


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