Lexikon der Filmbegriffe

Filmstadt Wien

In vierjähriger Bauzeit errichtet die Vita-Film 1919-23 am Rosenhügel in Wien-Mauer (Speisinger Str. 121-127, im 23. Wiener Gemeindebezirk) eines der damals modernsten und größten Studios Europas. Man orientiert sich an den Ausmaßen der Hollywood-Studios. Hier entstanden Maskerade (von Willi Forst), die meisten Hans Moser- und Paul Hörbiger-Filme und die Sissi-Trilogie mit Romy Schneider. In der Nazizeit wurde der Komplex zum Kernstück der Wien-Film (1938), die neben der bekannten Unterhaltung des typischen Wiener Films, auch Propagandamachwerke wie Heimkehr mit Paula Wessely, produzierte.
Nach dem Krieg wurde die Wien-Film in zwei Teilfirmen zerlegt; die Studios wurden 1945-55 zu einem der sowjetisch verwalteten Betriebe in Österreich (USIA). 1955 wurde das Gelände mit dem Staatsvertrag an die Republik Österreich zurückgegeben. Obwohl sich die Wien-Film damit wieder in einer Hand befand, konnte sie sich von der Ost-West-Polarisation nie mehr erholen. Das österreichische Fernsehen ORF übernahm die Studios 1966 und nutzte sie für Fernsehproduktionen. 1990 war schon die Umwandlung des mittlerweile desolaten ganzen Geländes geplant, als 1994 die private Filmstadt Wien Studio GesmbH, die von der neugegründeten Wiener Filmfinanzierungsfonds und den Bund unterstützt wurde, rettend einsprang. 1996 war die Generalsanierung abgeschlossen, die „Filmstadt Wien“ wurde als Four-Wall-Studiobetrieb mit Film-Wirtschaftspark neueröffnet und sollte die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Stadt als Filmschauplatz erhöhen. 

Literatur: Die Rosenhügelstudios. In: Filmbuch Österreich. Hrsg. vom Bundeskanzleramt. Red.: Gertraud Steiner. Wien: Bundespressedienst 1995, S. 43-44.


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: JH BM


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