Lexikon der Filmbegriffe

MacGuffin

selten: Macguffin; manchmal auch: weenie

Ein sehr bekannter Vorschlag, dramaturgische Aspekte von Objekten oder Objektverwendungen terminologisch auszudrücken, ist Hitchcocks MacGuffin. „Das ist eine Finte, ein Trick, ein Dreh, wir nennen das gimmick“, sagt Hitchcock selbst dazu. Hitchcock führt den Begriff McGuffin auf Rudyard Kipling zurück: dort war er eine Bezeichnung für den Diebstahl von Papieren, Dokumenten oder Geheimnissen. Der MacGuffin ist für die Figuren der Handlung von höchster Bedeutung, spielt aber für den Erzähler keine Rolle. Ein MacGuffin ist ein leer gesetztes Handlungsziel, meist ein Objekt, manchmal eine Geheimbotschaft. Ganz leer ist der MacGuffin aber nicht: Er muss die funktionalen Bestimmungen erfüllen, die im Kontext auf ihm liegen. Er muss z.B. rar sein, gefährlich, teuer oder in anderem Sinne wertvoll. Er vermag die Motivation des Helden zu begründen und gibt ihm schließlich ein explizites Ziel. Vergleichbar dem mittelalterlichen Gral lässt der MacGuffin den Helden ausziehen in die Fremde, die angestammte Heimat verlassen, den Kampf mit Drachen aufnehmen oder auch sich verlieben. Es ist die Leere des MacGuffin, die die Bewegung, die in das Leben des Helden kommt, ironischerweise umso mehr unterstreicht. Sie ist ein ironischer Verweis auf die eigene Handlungsdynamik der Genres und der Erzählung selbst, ein reflexiver Jux. 


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


Zurück