Lexikon der Filmbegriffe

Extempore

Ein Extempore ist eine kurze Textimprovisation. Es ist nicht mit der Improvisation resp. dem Stegreifspiel zu verwechseln – dieses basiert auf einem nur in groben Umrissen festgelegten Spielablauf. Dagegen setzt das Extempore die sprachliche Fixierung der Aufführung voraus, von der es überraschend, manchmal die Szene kommentierend oder ironisierend abweicht. Das Extempore bezeichnet einen zusätzlichen Einfall und eine bewusst gesetzte Pointe aus dem Augenblick heraus ( lat.: ex tempore). Von einem Fall aus dem Theater erzählt eine Protagonistin in Truffauts La Nuit américaine (1972) – ein Schaupieler sei anlässlich Shakespeares „To be or not to be“ an die Rampe getreten und habe dem Publikum zugerufen: „I did not write that shit!“ Eigentlich dem Theater entstammend und auf die jeweils aktuelle Aufführung bezogen, wird von extemporierenden Aktionen immer wieder auch bei Dreharbeiten berichtet; so sei die Umarmung des Sohnes, auf die der Vater in Nicholas Rays Rebel Without a Cause (1955) höchst irritiert reagiert, von James Dean improvisierend in den Szenenablauf eingefügt worden – und die Reaktionsunfähigkeit des Vaters sei genau jene Ausdrucksgeste gewesen, um die Ray sich in der Inszenierung bemüht hatte. 


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2011


Verfasser: AS


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