Lexikon der Filmbegriffe

Fremdenlegion im Film

engl. manchmal: legion film

Die französische Fremdenlegion ist eine 1831 gegründete Freiwilligentruppe, die zum französischen Heer gehört. Sie galt von Beginn an als Fluchtort und Versteck, weil die Identität der Legionäre nicht oder nur oberflächlich geprüft wurde. Da die Fremdenlegion zudem schnell den Ruf einer äußerst erbittert und erbarmungslos kämpfenden Truppe erobert hatte, bildete sich schnell ein Korpus von Geschichten um die Legion heraus, die sich einerseits um heroische einzelne formierten, die als politisch Verfolgte oder als unschuldig unter falschen Verdacht Geratene Zuflucht in der Legion fanden, oft unter hohem psychischen Druck und im Affekt der Verzweiflung zu Todessuchenden wurden, die im Kampf einen schlechten Ersatz für ihr ursprüngliches Leben fanden und gerade darum zu heroischen Einzeltaten befähigt wurden. Andererseits sammelten sich auch kriminelle Elemente in der Legion, die durch brutalen militärischen Schliff für die Legion sozialisiert wurden und hier oft zu solidarischem Handeln zurückkehrten. Das wohl berühmteste Beispiel ist die Beau-Geste-Geschichte, die von Michael „Beau“ Geste erzählt, der aus politischen Gründen England verlässt, Anschluss in der Legion findet, im Ausbildungslager in Afrika allerdings seinen Kommandeur als viel schlimmeren Feind identifiziert als alle anderen (Beau Geste, USA 1926, Herbert Brenon; USA 1939, William A. Wellman; 1966, Douglas Heyes; als Miniserie: Großbritannien 1982, Douglas Camfield). Ein berühmtes Beispiel ist Josef von Sternbergs bittersüßes Melodram Morocco (USA 1930), in dem ein Legionär mit einer Frau zusammentrifft, die es auch nach Afrika verschlagen hat. Die Legion als Ort abenteuerlichen Lebens ist in Desert Legion (USA 1953, Joseph Pevney) gezeichnet, Desert Sands (USA 1955, Lesley Selander) erzählt von der Liebe eines Legionärs zu einer Araberin.
Die Legion zieht von den 1960ern an immer mehr kritische Zuwendung auf sich. Von den quälerischen Einübungen in die Disziplin der Legion, um Repression und Folter erzählt der Lagerfilm Biribi (Frankreich 1971, Daniel Moosmann) – wobei „Biribi“ Sammelbezeichnung für sämtliche militärische Disziplinareinrichtungen in Nordafrika ist. Mehrere Filme befassen sich mit dem Niedergang der Armee wie etwa Diên Biên Phu (Frankreich 1992, Pierre Schoendoerffer) über eine Schlacht in Indochina, bei der eine Einheit der Legion aufgerieben wurde und die die Anwesenheit Frankreichs als Kolonialmacht in Südostasien beendete. Aus neuester Produktion ist Claire Denis‘ Beau Travail (Frankreich 1999), die die Legion als Sphäre einer körperlichen und reinen, aber nur noch nostalgisch gegebenen Männlichkeit feiert.

Literatur: Michel, Marie: Sous l'uniforme, les nerfs et le muscle. In: L'Avant-Scène Cinéma, 285-286, 1.-15.4.1982, S. 22-25. – Moreau, Frederique: Le cinema colonial: un sous-genre, le film légionnaire dans les années 30. In: L'Avant-Scène Cinéma, 285-286, 1.-15.4.1982, S. 26-28. – Giusti, Marco: La band(i) era sventola ognor: "La bandera." In: Filmcritica: Rivista mensile di Studi sul Cinema, 29.3.1978, S. 126-128. – Eyles, Allen: The state of the Legion. In: Focus on Film, 28, Oct. 1977, S. 5-8.

Referenzen:

Söldnerfilm / Söldner im Film


Artikel zuletzt geändert am 01.08.2011


Verfasser: HJW


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