Lexikon der Filmbegriffe

Hotelfilm

Genre, das sich über seinen Schauplatz und dessen besondere Architektur (wie in Kubricks The Shining, USA 1980) definiert und das – wie der Hotelroman – vor allem im Europa der 1930er Jahre beliebt war. Der vielleicht bekannteste Film des Motivs ist Menschen im Hotel (nach einem Roman von Vicki Baum, 1929; verfilmt als Grand Hotel, USA 1932, Edmund Goulding; unter dem Originaltitel: BRD 1959, Gottfried Reinhardt), der eine ganze Reihe vereinsamter, seelisch deformierter und physisch kranker Protagonisten zusammenbringt. Das Hotel bietet die Möglichkeit spezifischer Figurenkonstellationen wie des Gruppenporträts oder zufälliger Schicksalsgemeinschaften: Die Mischung von Hotelpersonal, das immer in die Handlung eingebunden ist, und Hotelgästen, deren Vertreter oft etagenweise nach Preisklassen sortiert sind und sich in Aufzügen und Gesellschaftsräumen begegnen, gibt Anlass zu einem Querschnitt durch unterschiedlichste soziale Schichten (wie in Savoy-Hotel 217, Deutschland 1936, Gustav Ucicky, aber auch in Ninotchka, USA 1939, Ernst Lubitsch).
Im klassischen Hotelfilm geht es um Aufsteiger, um Diven und gefallene Frauen, um Künstlergestalten, entmachtete Prinzen, Arztfiguren und Privatdetektive – oft entwurzelte Figuren, für die das Hotel nur ein Zwischen-Ort ist, ein Übergang, ohne biographische Verbindlichkeit. Den gesellschaftlichen Sonderstatus des Hotels am Rande der sozialen Institutionen thematisiert noch Hotel Rwanda (Zaire/Großbritannien/Italien 2004, Terry George), in dem ein Hotel zur rettenden Enklave in den Massakern in Ruanda wird.
Die Vielzahl der Protagonisten-Figuren hat die dramaturgische Funktion, die einzelnen, parallel geschalteten Handlungsstränge zu verzahnen, die als Beziehungsdrama, Verwechslungskomödie, Whodunit oder anderes daher kommen können. Ein Musterfall ist der Schweizer Film Palace Hotel (1952, Leonard Steckel, Emil Berna).


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: PB


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