Lexikon der Filmbegriffe

Mondo-Filme

Der italienische Journalist und Produzent Gualtieri Jacopetti (*1909) brachte mit Mondo Cane 1962 einen neuen, reißerischen Typus des Pseudo-Dokumentarfilms auf den Markt, der vorgab, zivilisationskritisch zu sein, aber oft ganz dem Sensationellen, oft auch dem Schockierenden gewidmet war. Viele der Filme zielen – bei deutlich rassistischer Grundhaltung – auf angeblich wahre Sitten und Gebräuchen von Menschen aus aller Welt und auf scheinbar authentische Darstellungen von Sexualität und Gewalt ab. Häufig beuten sie Vorurteile über das Leben fremder Zivilisationen aus. Der umstrittenste Film Jacopettis ist Africo Addio (1963), der eine Kette von blutigen Greueltaten von Afrikanern an Tieren und Menschen auflistet, der Bilder des Apartheids-Südafrika entgegengestellt sind. Addio, Zio Tom! (1971) ist eine Pseudo-Dokumentation über Sklaverei insbesondere in den amerikanischen Südstaaten des 19. Jahrhunderts. Die Filme des Mondo-Kreises sind fast ausnahmslos in Italien entstanden. Dazu gehören Mondo di Notte III (1963, Gianni Proia) über den Zusammenhang von Brutalität und Sexualität, Le Citta proibite (1962, Giuseppe Scotese) über die Amüsierzentren der Welt im Kontrast zu den Elendsvierteln und Tentazione proibito (1963, Osvaldo Civirani), der Darstellungen der Sexualität im Nachtleben versammelt. Die späteren Filme des Zyklus tendierten schnell dazu, eine beliebig erscheinende Sammlung schockierender Einzelepisoden aneinanderzureihen.

Literatur: Goodall, Mark: Sweet & Savage. The world through the shockumentary film lens. London: Headpress 2006.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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