Lexikon der Filmbegriffe

Mise-en-scène

frz. = Inszenierung; theaterwissenschaftlich auch: Regie

Der Begriff mise-en-scène stammt ursprünglich aus dem Theater. Er wurde in der Filmkritik André Bazins in den 1940er und 1950er Jahren zu einem zentralen Terminus der Filmästhetik. Mise-en-scène umfasst alles, was auf der Szene für das Bild arrangiert wird – die Bildkomposition, die Bildgestaltung im sichtbaren Bildausschnitt, die Farbkomposition, Lichtgestaltung, Anordnung der Figuren und Dinge im Bild, Umgang mit Raum und Tiefe, Ausstattung, Kostüm, Maske, Schauspielerführung etc. Für Bazin stand die Schaffung einer Wirklichkeitsillusion im Vordergrund, die – intensiviert durch den Einsatz kurzer Optiken, von Tiefenschärfe und langen Einstellungen - als Prinzip filmischen Realismus angesehen wurde. Die mise-en-scène sollte nach Auffassung Bazins aber nicht allein ein deskriptiver Terminus sein, mit dem sich gewisse Segmente der filmischen Gestaltung gegenüber der „Ins-Bild-Setzung“ (dem mise-en-cadre, heute meist technisch als cinematography bezeichnet) und der Montage absetzen ließen, sondern war zugleich ein Begriff, der programmatisch auf eine Verankerung im filmischen Realismus verwies und mittels dessen sich ein Sinn für die Vielgestaltigkeit der Realität zurückgewinnen lassen sollte. Bazin wendete sich mit dem Plädoyer für die lange, in sich gegliederte Einstellung und die Verlagerung des dramatischen Konflikts in die Komposition des Filmbildes gegen die Montage als primäres Gestaltungsprinzip des Kinos, wie das der russische Revolutionsfilm entwickelt hatte (darin Kracauer ähnlich).

Literatur: Bordwell, David / Thompson, Kristin: Film art. An introduction. Reading, Mass. [...]: Addison-Wesley 1979, ch. 4. Zahlr. erw. Neuaufl.

Referenzen:

innere Montage

metteur-en-scène

set


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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