Lexikon der Filmbegriffe

Transvergenz

Während die Unterstellung, verschiedene Elemente eines Textes seien konvergent oder divergent (also stimmig oder nicht), aus der Juxtaposition der Elemente gewonnen werden kann und auf Vorstellungen von Kontinuität und Konsistenz als idealer Qualitäten des semantischen Zusammenhangs von Texten aufruht, haben einige dem Postmodernismus zugewandte Forscher ein Konzept von Transvergenz eingefordert, das solche Beziehungen zwischen Elementen von Texten erfassen soll, die den Kriterien der Unvollständigkeit, der Komplexität, des Chaos (im Sinne der Katastrophentheorie), der Dynamik von Subsystemen und ähnlichem unterliegen. Transvergente Strukturen führen vor allem zu einer Erfahrung von Texten als „fremd“, die Texte sperren sich gegen eine konsistente Aneignung, die Distanz zwischen Text und Rezipient ist hoch und bewusst. Das „transvergente Kino“ macht das Spiel mit der Fremdheit, der Fragmentarität des Textes und der Inkompatibilität der Elemente zum poetischen Prinzip – es durchbricht Konventionen, nutzt Zickzackwege, besteht auf der Unabsehbarkeit, weil darin sein größtes Potential besteht, die Weite des Imaginären abzuschreiten.

Literatur: Davis, Ami: Transvergence in Art History. In: Switch 20, 2006 [online]. – Novak, Marcos: Speciation, Transvergence, Allogenesis: Notes on the Production of the Alien. In: Architectural Design 72,3, 2002, ULR: http://www.mat.ucsb.edu/~marcos/transvergence.pdf.


Artikel zuletzt geändert am 05.02.2012


Verfasser: HJW


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