Lexikon der Filmbegriffe

direktionale Kontinuität

engl.: screen-direction continuity

Eines der spatialen Bindemittel zwischen Einstellungen ist schon im frühen Film die direktionale Kontinuität einer Bewegung – wird in der einen Einstellung nach rechts abgetreten, erfolgt der Neuauftritt in der folgenden von links. Diese Regel, die den Eindruck erwecken hilft, eine Bewegung sei kontinuierlich-durchgängig, wird auch dann beachtet, wenn die Ereignisse, die zwei aneinander angrenzende Einstellungen zeigen, durch einen erkennbaren und unter Umständen großen Hiatus getrennt sind: Jemand verlässt eine Wohnung nach links – er tritt nach links aus dem Haus auf die Straße. Ein Flugzeug startet in New York nach rechts – es landet von links kommend in London. Und selbst Telefonate sind inzwischen so geschnitten, dass der eine Sprecher nach rechts, der andere nach links orientiert ist, als führten sie ein Vis-à-vis-Gespräch, das in Schuss-Gegenschuss-Auflösung gezeigt wird. Derartige Anschlüsse suggerieren die Kontinuität eines Bewegungsablaufes (und spielen im Feinschnitt eine wichtige Rolle). Die Illusion des Zusammenhangs einer nur in markanten Ausschnitten dargestellten Bewegung wird offenbar begünstigt, wenn die Direktionalität als analogischer Hinweis darauf dient, dass die filmisch repräsentierten Handlungsfragmente tatsächlich zu einer Einheit („Ortsveränderung einer Person oder Sache“) verschmolzen werden können. Die direktionale Ordnung des abgebildeten Geschehens dient also als Fundus anschaulicher Hinweisreize, die mit Alltagswissen und der Bildung einer höheren Einheit des Verstehens zusammentreten, so dass Zeit- und Raumsprünge überbrückt werden können, ohne dass der Handlungsfaden abrisse. 

Literatur: Ennenbach, Wilfrid: Über das Rechts und Links im Bilde. München : Universität der Bundeswehr, Fakultät für Pädagogik 1994. – Luschey, Heinz: Rechts und Links. Untersuchungen über Bewegungsrichtung, Seitenordnung und Höhenordnung als Elemente der antiken Bildsprache. Tübingen [...]: Wasmuth 2002.
 

Referenzen:

Anschluss: Auftritt / Abtritt


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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