Lexikon der Filmbegriffe

Frühwerk

Das Konzept des „Frühwerks“ entstammt einer hagio- resp. biographischen Geschichtsschreibung, wonach das eigentliche Werk von Autoren in einer Reifephase entsteht; dem Korpus dieser Arbeiten korrespondiert das Früh- und das Spätwerk; ersterem werden oft noch Züge der Unreife zugebilligt, im Frühwerk werden Möglichkeiten erprobt, die Integration von Mitteln und Aussage ist noch unausgereift; das Spätwerk dagegen zeichnet sich nach dieser Vorstellung durch Reife und Weisheit aus. Das einem Reifungsbild entstammende Modell der biographischen Werksgliederung in eine Früh-, Mittel- oder Hoch- und Spätphase eines Werkes wird auch auf Autoren des Films angewendet. Im Werk Ingmar Bergmans wird z.B. oft eine „frühe Schaffensperiode“ diagnostiziert (mit Filmen wie Hamnstad, 1948), die sich durch einen radikalen Pessimismus von den heiteren Frauenfilmen der 1950er Jahre absetze; Hitchcocks englisches Frühwerk umfasst die Stummfilme, hier korrespondiert der technische Einschnitt der Gliederung des Werks. Schwieriger ist ein Fall wie Milos Forman, dessen tschechische Filme vor seiner Flucht in die USA (1968) sicherlich nicht als „Früh-“ im Sinne von „Jugendwerke“ gelten können; dennoch werden auch diese Filme immer wieder als „Frühwerk“ rubriziert.
 

Referenzen:

Spätwerk


Artikel zuletzt geändert am 29.05.2012


Verfasser: JH


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